Zeitung Heute : Duftende Stückchen

Natur statt Chemie: Xenia Trost hat mit Seife eine Marktlücke genutzt

 Katja Gartz

Während sich ein frischer Rosenduft in der Werkstatt verteilt, rührt Xenia Trost kräftig in der Schüssel. Deren Inhalt erinnert an gekochten Vanillepudding. Anschließend gießt sie die warme Masse in einen mit Gummi beschichteten Holzkasten. Auf diesen Moment freut sich Xenia Trost immer wieder. „Jetzt weiß ich, wie die Konsistenz geworden ist, die ist wichtig für das Ergebnis.“ Abschließend streicht sie alles mit einem Spachtel glatt, markiert die einzelnen Stückchen mithilfe eines Rasters und verziert jedes mit einer getrockneten Rosenblüte. Aber nicht alles, was auf dem Herd gekocht wird, ist auch zum Essen. Ausgekühlt und vier Wochen lang getrocknet, hat sich der vermeintliche Pudding in einen harten Block handgemachter Naturseife verwandelt. Geschnitten und schön verpackt, füllen 100 neue Stückchen Buttermilch-Rosen-Seife die Regale und Auslagen des Geschäfts 1000 & 1 Seife in den Rosenhöfen am Hackeschen Markt.

Etwa vier verschiedene Naturseifen stellt Geschäftsführerin Trost pro Woche her. Entdeckt hat sie das alte Handwerk der Seifensieder vor elf Jahren in einem englischen Seifenhandbuch. „Schon bei der ersten Seife wusste ich, das ist genau das Richtige für mich“, sagt die gelernte Buchbinderin. Damals probierte sie in ihrer Küche viele Rezepte aus und verkaufte die handgemachten Seifen mit großem Erfolg auf Wochen- und Weihnachtsmärkten.

Um mehr produzieren zu können, verlagerte sie ihre Werkstatt und Verkaufsstelle in eine 27 Quadratmeter große Wohnung im Souterrain eines Hinterhauses in der Sophienstraße. „Vormittags habe ich Seifen hergestellt und nachmittags den Laden geöffnet“, berichtet die 45-Jährige. Viele Kunden waren von diesem Konzept wenig begeistert, weil sie häufig vor verschlossener Tür standen.

Als 2005 in den Rosenhöfen ein Geschäft mit ausreichend großer Werkstatt frei wurde, griff sie sofort zu. Neben ihren eigenen Kreationen verkauft sie gemeinsam mit ihrem Partner Erik Kormann Seifen aus aller Welt. Außerdem kann eine Seifensammlung mit zahlreichen Raritäten bestaunt werden.

Ein Hauptbestandteil bei der Herstellung von Seifen ist Fett, so werden viele industriell gefertigte mit Rindertalg produziert. An ihre erste Seife mit tierischem Fett hat Trost keine guten Erinnerungen. „Die ganze Wohnung hat gestunken.“ Schnell wechselte sie zu pflanzlichen Fetten, die sie bis heute ausschließlich verwendet: Palm- und Kokosfett sowie Oliven- und Rapsöl in Lebensmittelqualität. Nachdem die Fette erhitzt worden sind, verwandelt sich die Seifenküche kurzzeitig in ein Chemielabor. Gewappnet mit Mund-, Augenschutz und Gummihandschuhen setzt die Seifenfachfrau aus Natriumhydroxid und Wasser eine Lauge an. Besitzen beide Grundstoffe eine Temperatur von 40 Grad Celsius, wird die Lauge langsam in die Fette eingerührt. Die Stoffe neutralisieren sich gegenseitig, die Seife entsteht und wird nun mit hautpflegenden Zusätzen wie Jojobaöl oder Kakaobutter, ätherischen Ölen für den Duft, Blüten, Gewürzen oder Kräutern angereichert.

„Handgemachte Seifen werden ohne industriell bedingte Zusatzstoffe, Allergien auslösende Konservierungsmittel, optische Aufheller und Schadstoffe gefertigt“, erklärt Trost. Sie profitiert davon, dass immer mehr Menschen nicht nur bei der Ernährung, sondern auch bei Seifen und Kosmetik auf unbelastete Qualität achten. Ihre duftenden Stückchen sind auch beliebte Mitbringsel von Berlinbesuchern.

Zu ihren rund 35 Spezialitäten zählen Sanddorn,- Algen-, Honig-Mohn-, Gurken-Gesichts-, Lakritz-, Stutenmilch-, Baby- und Rasierseifen. Besonders beliebt bei ihren Kunden ist die „Zimt Ziege“, eine Seife mit Zimt und Ziegenmilch. Passend dazu ist eine Serie mit Bodylotion und Duschgel geplant. Das Sortiment wächst ständig. „Es ist einfach wunderbar, aus schönen Ölen und Düften gute Produkte zu kreieren“, schwärmt sie.

1000 & 1 Seife in der Rosenthaler Straße 36 in Mitte ist montags bis sonnabends von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Die handgemachten Naturseifen wiegen zwischen 50 und 100 Gramm und kosten drei bis acht Euro. Internet: www.1001seife.de

Es ist einfach wunderbar, aus schönen Ölen und Düften gute Produkte zu kreieren“,

Xenia Trost (hier mit

Partner Erik Kormann),

Geschäftsführerin

1000 & 1 Seife

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben