Zeitung Heute : Dunkle Wege deutscher Waffen Indonesier schießen am liebsten mit MPs von Heckler&Koch

Moritz Kleine-Brockhoff Dewi Kurniawati[Jakart]

Von Moritz Kleine-Brockhoff

und Dewi Kurniawati, Jakarta

Der Soldat strahlt: „Die MP5 ist effizient und effektiv, man fühlt sich einfach wohl mit der deutschen Pistole.“ Es gibt einige Einheiten des indonesischen Militärs, Antiterrortrupps und Präsidialgarde, die sich jetzt wohl fühlen. Mehrere Soldaten erzählen stolz, sie hätten neue MP5 der deutschen Waffenfirma Heckler&Koch bekommen, eine der besten Maschinenpistolen der Welt. Die indonesischen Soldaten wissen nicht, dass die Waffe nur mit Genehmigung der deutschen Bundesregierung exportiert werden darf und Berlin keine Lieferung ins unruhige Indonesien erlaubt.

„Vor dem Asean-Gipfel kamen 50 MP5 aus Deutschland. Ich habe sie getestet, sie sind prima“, sagt ein Soldat in Jakarta, „das war die erste Lieferung, eine zweite ist unterwegs. Insgesamt brauchen wir 600.“ Der Asean-Gipfel der südostasiatischen Staatschefs fand im Oktober auf Bali statt. Davor übten dort indonesische Soldaten, sie trugen MP5 von Heckler&Koch.

Deutsche Behörden wollen wissen, wie die MP5 nach Indonesien kam. Ermittler recherchierten offenbar in Deutschland, der Schweiz und in Singapur. Außerdem sprach man mit Türken und Pakistanern, beide Länder sollen von Heckler&Koch Lizenzen zur MP-5-Herstellung haben. Es gibt weitere Lizenzländer, Details sind geheim.

Angeblich kann man immerhin mittlerweile ausschließen, dass Pistolen direkt aus Deutschland mit Wissen von Bundesregierung und H&K geliefert wurden. Gesagt wird trotzdem nichts. „Nicht zuständig“ das Auswärtige Amt, „keine Informationen“ beim Bundeskriminalamt, auch vom Wirtschaftsministerium ist keine Stellungnahme zu bekommen.

Nach Angaben von Heckler&Koch spielt es keine Rolle, ob eine MP5 in Deutschland oder unter H&K-Lizenz im Ausland hergestellt wurde. „Ein Export ist in jedem Fall ausschließlich mit Zustimmung der Bundesregierung zulässig“, sagt H&K-Sprecher Jürgen Beckmann. „Heckler&Koch hat mit Ausfuhrgenehmigungen zwischen 1980 und 1991 insgesamt 500 MP5 an indonesische Behörden geliefert, seitdem hat es keinen Antrag und keine Lieferung mehr gegeben.“ Die Indonesier klopften mehrfach informell wegen neuer MP5 an, man signalisierte Ablehnung, deshalb stellten sie keinen Antrag.

Die Bundesregierung will keine Waffen in Länder schicken, in denen Kriege geführt werden und Blut fließt. In Indonesien starben seit 1999 durch Konflikte rund 10000 Menschen. In Jakarta wurden Demonstranten erschossen. In Ost-Timor Milizen bewaffnet. Es gab den so genannten Religionskrieg auf den Molukken. Und gerade gehen Sicherheitskräfte im Separatistenkrieg in der Nordprovinz Aceh brutal gegen Zivilisten vor.

Trotz allem gibt es Argumente für eine Zusammenarbeit. Wegen der Bali-Bomben mit deutschen Toten unterstützt die Bundesregierung die Terrorbekämpfung in Indonesien. Das Bundeskriminalamt wird ab Januar indonesische Polizisten schulen. Und zwei Männer von der GSG9 trainieren seit Anfang Dezember in Indonesien die Antiterrorpolizei. Ausbildung ja, Waffen sollen andere liefern.

Woher stammen die deutschen Pistolen, von denen die Indonesier schwärmen? Illegale MP-5-Lieferungen aus Heckler&Koch-Lizenzländern soll es bereits öfter gegeben haben: „Anfang 2002 kamen aus der Türkei 130 Stück“, sagt ein indonesischer Soldat. Und laut einer Studie der Australian National University hat der Rüstungsriese British Aerospace zugegeben, 1996 MP5 aus britischer Produktion nach Jakarta geschickt zu haben.

Heckler & Koch weiß seit Monaten, dass ihre MP 5 in Indonesien aufgetaucht ist. „Natürlich fühlen wir uns als Hersteller verpflichtet, unsere Produkte dürfen nur in die richtigen Hände gelangen“, sagt Jürgen Beckmann, der H&K-Sprecher. Läge deutschen Ermittlern eine Seriennummer vor, könnten sie das Rätsel um das Waffengeschäft mit Hilfe von H&K lösen. Leider rückt die indonesische Militärführung keine Nummer heraus. „Die Pistolenquelle ist absolut geheim und bestens geschützt“, sagt ein Experte in Jakarta, „die Deutschen werden sie nie entdecken.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar