• Durch eine frühzeitige Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt können Bauherren in Berlins historischer Mitte Zeit und Geld sparen

Zeitung Heute : Durch eine frühzeitige Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt können Bauherren in Berlins historischer Mitte Zeit und Geld sparen

Harald Olkus

Aufgrund der regen Bautätigkeit in Berlins historischer Mitte hat das Landesamt für Denkmalpflege dort im vergangenen Jahrzehnt so viele Grabungen durchgeführt, wie nie zuvor. "Wir waren dabei sehr ertragreich in Bezug auf die Erforschung der mittelalterlichen Geschichte der Stadt", sagt Landeskonservator Jörg Haspel. Bei der bauvorbereitenden Grabung an der Gertrauden-, Ecke Breite Straße, wo der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ihr gemeinschaftliches "Haus der Wirtschaft" errichtet haben, konnten die Archäologen erstmals nachweisen, dass der Ort schon rund zwei Generationen vor der Ersterwähnung von Alt-Cölln im Jahr 1237 besiedelt war. "Für Berlin ist das ein gutes Ergebnis, denn es befindet sich bezüglich des Alters ja ständig im Wettlauf mit Spandau und Köpenick", sagt Haspel.

In den vergangenen Jahren hat sich die archäologische Tätigkeit des Landesdenkmalamts hauptsächlich auf "Notgrabungen" konzentriert, um die Bodendenkmäler vor ihrer Zerstörung durch Bauarbeiten zu bewahren. Wo nicht gebaut wird, besteht auch kein Zwang zu graben, da die Denkmale im Boden ja erhalten bleiben. "Zu Grabungen rein aus wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse sind wir in den vergangenen Jahren kaum gekommen", sagt Jörg Haspel.

Für Bauherren von Bürohäusern, Firmen- oder Verbandsvertretungen verursacht die Arbeit der Archäologen auf jeden Fall Zusatzkosten, gibt ihnen aber auch Planungssicherheit. Unter Umständen verzögert sie sogar die Bauarbeiten oder erfordert Planänderungen. "In unserem Fall ist alles gut gegangen", sagt Reiner Odenthal, Leiter des Bereichs Zentrale Aufgaben im "Haus der Wirtschaft". Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt und der Integrierung der archäologischen Grabungen in den Baugrubenaushub hat die denkmalschützerische Begleitarbeit die Bauherren rund 720 000 Mark gekostet - bei Gesamtkosten in Höhe von 197 Millionen Mark.

"Natürlich haben wir anfangs auch Verzögerungen befürchtet", sagt Odenthal. "Im Fall wichtiger, nicht transportierbarer Funde hätten wir sicherlich einen Kompromiss mit dem Landesdenkmalamt finden müssen, damit wir den zugesagten Einzugstermin halten können." Ein solcher Kompromiss kann aussehen wie beim nahegelegenen Erweiterungsbau des Außenministeriums. Dort stieß man bei den Grabungen auf Reste des ehemaligen Münzkanals. Er war angelegt worden, um die Prägemaschinen der preußischen Münze mit Wasserkraft anzutreiben. Dieses Relikt vom Ursprung des preußischen Banken- und Münzwesens ließ sich aber nicht in die Planungen des Erweiterungsbaus integrieren, da der Münzkanal die Tiefgaragen durchkreuzt hätte. Deshalb hatte man sich darauf verständigt, die Fundstelle zu dokumentieren, Belegstücke zu bergen und ein Modell anzufertigen, das vor Ort ausgestellt werden soll.

"Die Kooperation mit den Bauherren läuft um so besser, je früher sie sich an das Landesdenkmalamt wenden", sagt Haspel. Denn dann könne man sich bereits im Planungsstadium miteinander abstimmen. "Schwierig wird es nur, wenn die Uhr schon tickt." Deshalb sollte sich ein Bauherr möglichst schon mit dem Landesdenkmalamt in Verbindung setzen, bevor er den Bauantrag stellt. In einer vorbereitenden Untersuchung des Baufeldes mit geophysikalischen Messungen oder durch Prospektionsgrabungen können die Archäologen herausfinden, ob die Grabungen längere Zeit in Anspruch nehmen werden. In diesem Stadium der Bauvorbereitung wäre es noch möglich, das Baufeld anders zu schneiden.

Das Landesdenkmalamt hat jetzt in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft begonnen, geplante Gewerbegebiete in Buchholz, Marzahn und Hohenschönhausen nach Bodendenkmalen zu untersuchen. Dies geschieht im Sinne der Wirtschaftsförderung. Dadurch können Fehlplanungen verhindert und dem künftigen Investor Zeit und Kosten gespart werden. Auch wenn die Bautätigkeit in Berlin künftig etwas nachlässt, gibt es vor allem im Bezirk Mitte noch eine "Reihe von Reservaten der archäologischen Aufbereitung", sagt Haspel. So erwarten die Bodendenkmalpfleger unter dem Marx-Engels-Forum und auf dem Friedrichswerder noch wichtige Funde über die Stadtgründung und die barocke Stadterweiterung. Gerade über diese Zeit sei die Quellenlage "ausgesprochen dürftig", selbst wenn Dokumente oder Urkunden in Schriftform überliefert sind.

Sehr aufschlussreich sind vor allem die Friedhöfe, sagt der Landeskonservator. Aufgrund von Bestattungsriten und den Grabbeigaben im Mittelalter und der frühen Neuzeit können darüber hinaus kulturhistorisch bedeutsame anthropologische Untersuchungen über Ernährungsweise und Krankheitsbilder der damals in der Region lebenden Menschen angestellt werden. Die ergiebigsten Ergebnisse zum Mittelalter und der frühen Neuzeit in Alt-Cölln gibt es entlang der Breiten Straße und am ehemaligen Schloß. Dort hat das Landesdenkmalamt bis jetzt nur eine Zwischenbilanz gezogen. Vor allem für den kurz nach dem Bau wieder abgebrochenen Münzturm Schlüters auf dem Platz der ehemaligen Petri-Kirche ist es nach Haspels Ansicht wichtig, genügend Zeit und Mittel bereit zu stellen, um die Schloßplatzgrabung fortzusetzen und zu erweitern. "So ließe sich auch sinnvoll klären, ob bei einer Neubebauung des Schloßplatzes die Fundamente des Turms sichtbar gemacht und ausgestellt werden sollen."

Die Ergebnisse der Grabungen am Haus der Wirtschaft hat Michael Hofmann zusammengefasst: "Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin", Heft 14. Vom Stabbohlenhaus zum Haus der Wirtschaft. Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin, Verlag Schelzky und Jeep.

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