Zeitung Heute : Duschen, waschen, trocknen

Der Physiker Niels Bohr hat nach einigen Tagen in einer Berghütte einmal angemerkt, es sei verblüffend, dass man es schaffe, dreckige Teller mit dreckigem Wasser und dreckigen Tüchern sauber zu kriegen. Das Staunen des Nobelpreisträgers wäre in nackte Fassungslosigkeit umgekippt, hätte er die Anwendung seines Lehrsatzes auf das deutsche Fernsehen erlebt. Seit Donnerstagabend wissen wir nämlich, dass es möglich ist, eine bereits klinisch tote Sendung durch Einladung eines abgetakelten Stars und Verzicht auf jeglichen geistigen Aufwand zu einem wahren Mount Everest der Einschaltquoten zu führen. Jaja, es geht um "Big Brother", wo Verona, die gickelnde Albtraumfrau, eingezogen ist, nicht ohne den Fans vorher noch was auf den weiteren Lebensweg zu geben: "Ich werde beim Duschen Duschgel benutzen, mich waschen, und dann trockne ich mich ab." Alles klar? Offen ist jetzt nur noch, ob sie bis Sonntag bleibt, gleich wieder geht oder nur, falls Hollywood doch noch anrufen sollte. Ultraspannend! Es scheint, dass das Potenzial der Sendung vor allem politisch noch längst nicht ausgelotet ist: Schröder, Lafontaine, Fischer, Gysi, Merkel, Möllemann, dazu Helmut Kohl als Überraschungsgast, wenn die Quoten sinken - das würde glatt die nächste Bundestagswahl ersetzen.

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