Zeitung Heute : DV-Weiterbildung hat im Internet-Zeitalter Hochkonjunktur

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Netscape, Linux, Windows & Co - Millionen Arbeitnehmern bereiten die neuen Informationstechnologie und Kommunikation (ITK) Kopfzerbrechen, denn sie müssen sich fit machen. Nach einer Studie des amerikanischen IT-Unternehmens Cisco Systems Corp. werden im Jahr 2002 allein in Deutschland 188 000 Netzwerkspezialisten fehlen - europaweit rund 600 000. Immer mehr Internetzugänge und die wachsende Bedeutung des E-Commerce sind verantwortlich für diesen Personalengpass.

Ein inzwischen schier unübersehbares Weiterbildungsangebot macht es Karriere-Ambitionierten möglich, auch nachträglich noch auf den Erfolgszug zu springen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA, t 069 / 66 03 - 0, www.vdma.de ) und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI, t 069 / 63 02 - 0, www.zvei.de ) haben gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, www.bmwf.de) ein Programm vereinbart, wonach bis zum Jahr 2005 etwa 250 000 zusätzliche Fachkräfte ausgebildet werden sollen. Hierzu wird nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (iw, t 02 21 / 49 81 - 1, www.iwkoeln.de ) die Industrie ihre Ausbildungsplätze in den neuen IT-Berufen bis 2003 auf 60 000 erhöhen.

Auch der Kooperative Studiengang Informatik (KoSi), den der BVB Bundesverband Informations- und Kommunikations-Systeme (t 0 61 72 / 93 84 - 0, www.bvb.de ) nach dem Vorbild der Berufsakademien aus der Taufe gehoben hat, soll die IT-Spezialisten-Lücke schließen helfen. Die ersten 30 Studenten haben ihr BA-Studium an der FH Dieburg bei Darmstadt aufgenommen.

Am eindrucksvollsten sollen die Ärmel auf dem Gebiet Umschulung und Fortbildung hochgekrempelt werden. Das Weiterbildungsangebot der Bundesanstalt für Arbeit (BA) soll für die Jahre 2000 bis 2003 auf 35 000 Plätze erweitert werden. Kosteneinsatz: rund eine Milliarde Mark jährlich.

Da in immer mehr Unternehmen informationstechnische Innovationen mit organisatorischen Fragen und Anforderungen verknüpft werden, reicht die isolierte DV-Weiterbildung nicht mehr aus. Die Berufsbilder für IT-Fachkräfte müssen deshalb angepasst und kontinuierlich aktualisiert werden. Die Abkehr vom Großrechner hin zum vernetzten PC und zu Workstations, der Generationswechsel bei den Programmiersprachen und sogar ganz neue Programmierphilosophien und Programmierverfahren lassen gar keine andere Wahl.

Die Herausforderung anzunehmen, ist leistbar. Das Fortbildungsangebot ist in den vergangenen Jahren auf nahezu allen Feldern der EDV enorm gewachsen. Neben Kursen für Netzwerkspezialisten spielen Angebote rund ums Internet eine besondere Rolle. Bei der Fortbildung zum Internetfachmann beispielsweise lernen die Teilnehmer in zwölf bis achtzehnmonatigen Kursen die technischen Möglichkeiten und auch Anwendungskonzepte kennen. Neben der Fachkompetenz wird, wie das Institut der deutschen Wirtschaft in seinem Informationsdienst "iwd" betont, von den Mitarbeitern vor allem "Lernfähigkeit, Kreativität, Teamfähigkeit und Offenheit für Innovation" erwartet. Zumindest an diesen Grundtugenden hat sich durch das Internet-Zeitalter nichts geändert. Weil im EDV-Bereich aber das Wissen rasant zunimmt, die Innovationszyklen immer kürzer werden und die IT-Trends "eher die Lebenserwartung von Eintagsfliegen haben", müsse das Faktenwissen permant erneuert werden - und zwar berufsbegleitend.

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