Zeitung Heute : DVD: Auf der Überholspur

Klaus Angermann

Den guten, aber alten Bandlaufwerken geht es an den Kragen, wenn es nach der DVD-Unterhaltungsbranche geht. Zwar werden in den meisten Wohnungen noch analoge Videorekorder zum Aufzeichnen und Abspielen von VHS-Kassetten verwendet. Doch die digitale DVD verdrängt zunehmend die technisch ausgereizten analogen Abspielgeräte.

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IFA 2001 - Technik, Tipps und Trends Beim Hersteller Philips sitzen Technik-Freaks, denen die analoge Aufzeichnung der letzten "Lindenstraße"-Folge nicht ausreicht, tatsächlich in der ersten Reihe. Erstmals wird der DVDR 1000 dem Publikum vorgestellt: Ein Aufnahme-Knopf unterscheidet ihn von der Abspiel-Konkurrenz. Die vier Aufzeichnungsmodi - von digitaler Studio-Qualität bis zum Extended Play - zwischen einer und vier Stunden sollen herkömmlichen analogen Geräten qualitativ in allen Belangen überlegen sein. Die bespielbaren, wieder beschreibbaren Discs sollen kompatibel mit anderen DVD-Playern sein. Und in handelsüblichen DVD-Laufwerken im PC kann die digitale Aufnahme nach Wunsch später weiter bearbeitet werden. Soviel Exklusivität hat auch einen exklusiven Preis, denn 2000 Euro sollte der Käufer schon bereit sein auszugeben. Ende des Jahres soll eine PC-Version voraussichtlich unter 2000 Mark folgen.

Auch der Unterhaltungselektronik-Spezialist Pioneer, der bereits auf der diesjährigen CeBIT den ersten DVD-Brenner für den PC vorstellte, wird mit dem erstmals in Europa vorgestellten DVR 7000 DVD-Brenner als Einzelgerät vertreten sein. Der DVR 7000 zeichnet Filme auf DVD-R und DVD-RW im "Video Recording Format" auf - mit diesem offiziellen Standard soll sicher gestellt werden, dass die Ergebnisse auf allen DVD-Playern laufen. Bei 3000 Euro Anschaffungskosten werden aber die meisten vorhandenen VHS-Videorekorder nicht so schnell ausgetauscht. Auch einen DVD-R/RW-Brenner für den PC mit dem klangvollen Namen DVR-A03 hat Pioneer im Gepäck, inklusive Software-Paket sind rund 900 Euro fällig. Eine Besonderheit im digitalen Aufnahmebereich hat Panasonic anzubieten: Der Panasonic DRM-E20 ist mit einem Kombilaufwerk ausgestattet und zeichnet mit DVD-RAM (bis zu 12 Stunden) oder mit DVD-R-Medien (bis zu sechs Stunden) auf. Der Preis wird auf der IFA bekannt gegeben, soll aber unter 4000 Mark liegen.

Sony während dessen begnügt sich noch mit Prototypen und relativiert ob des hohen Einstandspreises der ersten Rekorder: "Wir rechnen nicht damit, dass vor 2005 der DVD-Rekorder den analogen Markt durchbricht", so Myriam Hoffmann, Manager Consumer Products bei Sony.

Sind die ersten Rekorder eher was für eine kleine Schar Technikbegeisterter, lassen die nicht aufnehmenden DVD-Geräte der neusten Generation die Muskeln im Bereich der Multifunktionalität spielen und zielen auf den Massenmarkt. Was nützt etwa der beste DVD-Player, wenn die integrierten Fernsehboxen den Klang nicht entsprechend darstellen? Das Wohnzimmer als Kino - Sharp nennt so etwas Home Cinema System - verspricht das Komplettsystem SD-AT100H. Sechs Boxen für das räumliche Klangerlebnis im Digital-Surround-Sound, dazu der integrierte DVD-Player plus dem digitalen Mehrkanal-Verstärker sollen den klanglichen Kinogenuss in die trauten vier Wände bringen. Allerdings sollte das optisch gefällige Designsystem Freunden des guten Klangs schon gute 3000 Mark wert sein. Da setzt der Konkurrent LG Eletronics auf der IFA einen drauf: Der DVD-Receiver DA 3520 kostet nicht nur die Hälfte, sondern bietet zu sechs Lautsprechern, DVD-Player und Surround-Sound-Decoder nebst Verstärker auch noch ein Radioteil sowie die Möglichkeit, Audio-CDs (auch im wiederbeschreibbaren CD-R/W-Format) und MP3-Dateien abzuspielen. Sony bietet mit den DVD-Systemen DAV-S500 und DAV-S800 ebenfalls Heimkinoanlagen auf Miniaturgröße an (1800 und 2700 Mark). Die in edlem Design gehaltenen schlanken Satellitenboxen geben DVDs, CDs, CD-Rs und CD-RWs wieder, sogar hochauflösende Multichannel-Super-Audio-CDs sind kein Problem.

Einen neuen Anlauf startet auf der IFA die DVD Audio. Doch einfach wird das dem Kunden nicht gemacht: Die Abspielgeräte liegen noch weit über 1000 Mark und die Medien sind wegen des teuren Kopierschutzes und der noch geringen Auswahl an Titel mit Kosten um die 50 Mark ebenfalls nur etwas für audiophile Enthusiasten. Zudem setzen beispielsweise Sony und Panasonic mit der Super Audio-CD auf einen anderen Standard, was die Kaufentscheidung nicht vereinfacht. Die IFA zeigt deutlich: Die DVD als Aufnahmemedium steht in den Startlöchern, wenngleich bis zum Masseneinsatz noch einiges am Preis getan werden muss.

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