Zeitung Heute : DVD aus dem Fernsehen

Die Videosammlung war gestern. Wie man sich die besten Filme digital speichert – mit Hilfe des Computers, werbefrei und kostenlos

Kurt Sagatz

Richtig kann man einen Film nur im Kino genießen. Die DVD ist ein annehmbarer Ersatz. Dabei laufen viele Filme, die im Geschäft 20 Euro kosten, auch im Free-TV. Zum Beispiel „Indiana Jones“ am vergangenen Wochenende. Allerdings wurde der „Jäger des verlorenen Schatzes“ von der Werbung so zerstückelt, dass vom Filmgenuss wenig blieb. Dabei reicht ein handelsüblicher PC, die richtige Software und Einarbeitung aus, um die Kinofilme als DVD-Eigenproduktion fast kostenlos und völlig legal herzustellen.

Die meisten Computer bringen alle Voraussetzungen dafür mit, vor allem die aus der Zwei-Megahertz-Klasse. Die wichtigsten Komponenten gehören bei diesen Geräten zur Standardausrüstung: eine Fernsehkarte, eine genügend große Festplatte (100 Gigabyte), ein DVD-Brenner. Selbst bei einer Nachrüstung halten sich die Kosten in Grenzen. Fernsehkarten gibt es für 50 Euro, Festplatten kosten rund 100 Euro. Für den gleichen Betrag erhält man einen DVD-Brenner. Die Programme sind aufgebaut, dass Einsteiger mit ihnen klar kommen.

Bei den Videoschnitt-Programmen hat sich ein für Anfänger leicht nachvollziehbarer Schritt-für-Schritt-Aufbau durchgesetzt. In diesem Punkt unterscheiden sich die Programme Cyberlink PowerDirector 2.5 (50 Euro, Amazon), Pinnacle Studio 9 (88 Euro), Ulead VideoStudio 7 (50 Euro) und das Magix-Programm „Filme auf CD & Video 3.0“ (35 Euro) nicht. Aufnehmen - Bearbeiten - Ausgeben heißt der Dreisprung in der Filmdisziplin. Je nach eingesetztem Verfahren ergeben sich jedoch erhebliche Differenzen, zum einen bei der Zeit, die für die Videoproduktion anfällt, als auch in der Qualität, mit der die Filme nachher auf der DVD vorliegen.

Den schnellsten Weg geht der PowerDirector von Cyberlink. Dieses Programm digitalisiert die Videodaten, auch von analogen Quellen wie einem Videorekorder, direkt im Endformat. Zu Beginn wird festgelegt, ob eine Video-CD, eine Super Video-CD oder eine DVD erstellt wird. Dadurch hält sich der Platzbedarf auf der Festplatte in Grenzen. Außerdem verkürzt dies die Zeit, die nach der Bearbeitung für die endgültige Ausgabe benötigt wird. Den Geschwindigkeitsvorteil erkauft sich Cyberlink über die Videoqualität. Andere Programme wie das von Magix oder Pinnacle gehen einen anderen Weg. Sie übertragen die Filminformationen ebenfalls komprimiert auf die Festplatte, allerdings in einem weniger anfälligen Format.

Welche Ansprüche man an die Qualität einer Digitalaufnahme stellt, hängt nicht zuletzt vom Ursprungsmaterial ab. Eine alte VHS-Kassette als DVD zu archivieren, ist übertrieben. In diesem Fall reicht die Speicherung als SVCD völlig aus, allerdings nicht als maximal 35 Minuten lange CD, sondern als 240-Minuten-DVD – und zwar ohne sichtbare Verluste gegenüber dem VHS-Ursprungsmaterial.

Das funktioniert mit einem Trick. Normalerweise lassen sich Super Video-CDs eben nur auf CDs und nicht auf DVDs brennen. So verfahren auch die Brennhilfen der Schnittprogramme sowie das Brennprogramm von Nero. Anders die WinOnCD DVD Edition (Version 6) von Roxio: Sie übergeht diese Sperre einfach. Wird beim Anlegen des DVD-Videoprojekts festgelegt, dass die Videos „tolerant“ zu behandeln sind, lassen sich nun auch so viele SVCD-Filme auf die DVD bringen, wie das die Speicherkapazität des Mediums zulässt. Eleganter, Platz sparender und auch von Anfängern beherrschbarer ist derzeit keine andere kommerzielle Brennsoftware für Videofreunde. Dieses Verfahren kommt jedoch nicht in Betracht, wenn man das letzte Quentchen an Qualität von seinen selbst erstellten DVDs erwartet. Ob nun Filme aus dem normalen Fernsehprogramm oder Videos vom Camcorder: Zu optimalen Ergebnissen gelangt man nur, wenn die Videodaten in der höchsten Auflösung eingefangen, bearbeitet und ausgegeben werden. Der einzig limitierende Faktor sollte die Leistung von Prozessor und Festplatte sein.

Sowohl das Pinnacle Studio als auch das Ulead VideoStudio nehmen den Benutzer dabei hilfreich an der Hand und passen sich an die Leistung des PCs an. Allerdings kommt nicht jedes Programm mit jeder Fernsehkarte zurecht. Uleads VideoStudio 7 hatte bei unserem Test große Probleme mit Karten von Hauppauge. Vor dem Kauf empfiehlt es sich, auf der Homepage des Software-Herstellers nachzusehen, ob die eigene TV-Karte unterstützt wird.

Nicht so wählerisch in Punkto Hardware ist das Magix-Programm „Filme auf CD & DVD“. Einfacher als dieses Programm ist zwar kein anderes, dafür vermisst man doch einige Funktionen. Vor allem, wenn man auch die aus dem gleichen Hause stammende „Video deLuxe 2004“ (50 Euro) kennt. Bei diesem Programm lässt sich jede Stellschraube bei der DVD-Produktion individuell einstellen. Fazit: Mit allen getesteten Programmen gelangt der Filmfreund in relativ kurzer Zeit zu werbelosen Spielfilmen auf DVD. Zum Aufnehmen, Schneiden und Brennen von Filmen aus dem TV-Programm oder einem Videorekorder reicht das preiswerteste Programm (Magix "Filme auf CD & DVD") aus. Am schnellsten vom Video zur DVD kommt man hingegen mit Cyberlink PowerDirector, allerdings mit qualitativen Abstrichen. Wer höhere Ansprüche an die Qualität hat, erhält mit den Programmen Pinnacle Studio, Ulead VideoStudio und Magix Video deLuxe die richtigen Software-Werkzeuge, vorausgesetzt, die eigene Hardware wird unterstützt.

Mehr Infos unter:

www.cyberlink.de

www.pinnacle.de

www.ulead.de

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