Zeitung Heute : DVDs: Das größte Ärgernis bleibt der hohe Preis

Markus von Rimscha

Die Tage der klassischen VHS-Videokassetten scheinen endgültig gezählt zu sein. Immer mehr DVDs (Digital Versatile Disc) finden sich in den Regalen der Kaufhäuser, Elektro-Märkte und Videotheken. Welche Vorteile bringt eigentlich die DVD im Vergleich zur herkömmlichen Videokassette?

Zuerst und vor allem ist die DVD digital, was für eine bequeme Handhabung sorgt. Das lästige Zurückspulen an den Bandanfang entfällt. Daneben ist bei den gängigen DVD-Videos vor allem deren Ausstattung wichtig. Viele der Vorteile, mit denen DVDs beworben werden, sind für den Privatanwender allerdings nur am Rande interessant. Zwar ist das Standbild völlig ruckel- und flimmerfrei, aber wer sitzt schon vor dem Fernseher und betrachtet Standbilder? Die DVD bietet zwar eine glänzende Bildqualität, das alleine rechtfertigt die im Vergleich zu VHS-Videos hohen Preise von 40 bis 50 Mark pro Film aber noch lange nicht, schliesslich zeichnen sich Original-Videokassetten ebenfalls durch gute Qualität aus.

Auch die mittlerweile gängigen Hintergrundinformationen zum Dreh des Films, für die teilweise eine zusätzliche DVD beigelegt wird, werden überbewertet. Nicht selten finden sich dort eintönige Interviews, in denen die Arbeit mit den Kollegen gelobt und auf die hervorragenden Special-Effects hingewiesen wird.

Deutlichere Vorteile bietet die DVD schon eher im Audio-Bereich. Hier wird auch bei den Abspielgeräten vieles geboten, einige spielen beispielsweise auch selbstgebrannte MP3-Musik-CDs ab. Neben dem klassischen Stereo-Ton bieten die meisten DVDs den 5:1 Dolby-Digital Sound, der bei einer entsprechenden Anlage einen wesentlich realistischeren Klang erzeugt.

Wer in Sachen Tonerlebnis zukunftskompatibel sein möchte, sollte ferner auf die Digital Theater Systems Technik (DTS) vorbereitet sein. Immer mehr DVD-Videos, wie etwa der Bruce-Willis Schlager "The Sixth Sense" verfügen mittlerweile über DTS-Sound. Die nötigen Decoder für diese ausgefeilten Techniken sind es jedoch, die den DVD-Player teuer machen.

Ein weiteres sehr wesentliches Ausstattungsmerkmal der DVD ist die Vielzahl von Sprachen, die zur Verfügung stehen. DVDs, die in Deutschland verkauft werden, enthalten zumeist wenigstens eine deutsche sowie die - meist englische - Originalfassung, jeweils in Stereo, Dolby Digital und eventuell DTS. Dies ist das wirklich wesentliche Qualitätsmerkmal, durch das sich die DVD von der Videokassette abhebt und das dann auch den relativ hohen Preis der meisten Filme am ehesten rechtfertigt. Um so ärgerlicher ist es, dass immer öfter DVDs auftauchen, bei denen in den fremdsprachlichen Fassungen zwingend deutsche Untertitel eingeblendet werden. Das wird meist mit lizenzrechtlichen Problemen erklärt, für den Endverbraucher ist hier der Spaß aber meist vorbei. Filme wie "Pulp Fiction" oder "Eiskalte Engel" verlieren hierdurch deutlich an Unterhaltungswert.

Einige Titel, wie etwa der Action-Klassiker "Terminator II" oder "12 Monkeys" nutzen die Sprachvielfalt der DVD überhaupt nicht aus. Hier ist ausschliesslich die deutsche Tonfassung zu finden. Dass das auch anders geht, beweisen erfreuliche Gegenbeispiele wie "Dracula" mit der deutschen, englischen, französischen, italienischen und spanischen Sprachfassung.

Für jeden Computerbesitzer bietet sich jedoch eine Alternative zum vergleichsweise teuren DVD-Player für den Fernseher. Für relativ wenig Geld sind DVD-Laufwerke für den PC zu haben, so dass mit entsprechender Software DVD-Videos auch auf dem PC-Bildschirm abgespielt werden können. Dies ist jedoch eine eher behelfsmässige Lösung. Abgesehen davon, dass fortschrittliche Technologien wie DTS hier kaum zur Verfügung stehen, steckt der Teufel im Detail. Das Geräusch des PC-Lüfters kann sich durchaus störend auswirken und auch die Software, die zum Abspielen der DVDs am Bildschirm nötig ist, arbeitet selten fehlerfrei.

Die reinen DVD-Player für das Fernsehgerät verfügen über eine recht ausgereifte Technik, um beispielsweise mit Kratzern auf der Oberfläche umzugehen. Da wird beispielsweise das Bild eingefroren bis die Daten wieder lesbar sind. Auch die kurze Pause, die bei den meisten Filmen etwa in der Mitte beim Wechsel zwischen verschiedenen Schichten auf der DVD entsteht, ist kaum zu bemerken. Für viele Computerlösungen sind dies jedoch willkommene Gelegenheiten für einen Programmabsturz, mit etwas Pech versagt dann auch das ganze Betriebssystem den Dienst. Die folgende Prozedur bestehend aus dem Herunterfahren und Neustart des Computers, dem Start der DVD-Software sowie dem Aufsuchen der richtigen Stelle im Film ist eher unerfreulich.

Grundsätzlich muss bei DVDs auf den Ländercode geachtet werden. Diese regionale Kennzeichnung schränkt die Verwendbarkeit der Filme ein. Insbesondere, wer statt dem europäischen Code 2 amerikanische Filme mit Code 1 sehen möchte, muss darauf achten, dass das Abspielgerät hierzu imstande ist. Ein wesentlicher Nachteil der DVD bleibt jedoch und wird wohl für den Privatanwender auf absehbare Zeit bestehen bleiben: Mit der DVD lassen sich keine Filme aufnehmen.

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