Zeitung Heute : E-Mail an die Enkelkinder

Immer mehr ältere Menschen nutzen das Internet. Die Technik ist vielen schon aus dem Berufsleben vertraut

Waltraud Hennig-Krebs

AKTIV INS ALTER

Eine in der Technikgeschichte einzigartige Erfolgsstory ist das Internet. Vor gut 20 Jahren noch wurde die elektronische Vernetzung ausschließlich von Wissenschaftlern genutzt. Heute wird ganz selbstverständlich auch in privaten Haushalten gesurft. Weltweit gibt es über zwölf Milliarden vernetzte Seiten. Allein in Deutschland nutzt mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung, nämlich 53,5 Prozent – das sind hoch gerechnet 34,4 Millionen Menschen – das Internet.

Doch das moderne Medium ist nicht nur etwas für junge Technikbegeisterte. Auch bei den 50- bis 59-Jährigen gab es im Jahr 2003 rund 1,2 Millionen neue Nutzer. Damit stieg der Anteil in dieser Altersgruppe von 35,4 auf 48,8 Prozent. Hinzu kamen die über 60-jährigen Surfer mit einem Zuwachs von 5,5 Prozent. Das geht aus einer Untersuchung hervor, der so genannten Online-Studie 2003, die im Auftrag der ARD / ZDF Medienkommission erstellt wurde.

Diese Zahlen zeigen aber nicht nur, dass das Interesse älterer Menschen an der Technik steigt, sie stehen noch für etwas anderes: Die herkömmliche Trennung der Lebensphasen Schule-Beruf-Rente verwischt immer mehr. Das klassische Altenteil wird ersetzt durch eine zweite aktive Lebensphase, die neue Chancen bereit hält. Alt sein heißt heute immer öfter aktiv sein.

Das zeigt auch die Betitelung der Generation durch Marketing-Strategen: Etwas verschämt werden Senioren als „Generation 50 plus“ tituliert, als „neue Alte“, „aktive Alte“ oder „Best ager“. Die neueste Wortschöpfung ist „Silver Surfer“. Ein Ausdruck, den die E-Business-Branche für Oldies erfunden hat, die munter durchs Internet surfen. Doch mit diesem Personenkreis dürften es die Vermarkter nicht so leicht haben. Sie nehmen eine Generation ins Visier, die sich nicht einfach mit lockeren, flockigen Sprüchen als Konsumenten gewinnen lässt. Ältere Menschen verfügen über eine gehörige Portion Lebenserfahrung – und sind heute vielmehr kritische und selbstbewusste Verbraucher.

Die neuen Alten gehören zu dem Teil der Bevölkerung, der die rasante Entwicklung der elektronischen Medien häufig schon berufsbedingt miterlebt hat – und je nach Bedarf die technischen Errungenschaften in den privaten Alltag mit einbezieht. Das elektronische Netz nutzen sie, laut Online-Studie, vor allem zur Information und Kommunikation. Die Silver-Surfer ersteigern Schnäppchen bei ebay, korrespondieren per E-Mail mit Enkelkindern und Freunden, versenden und empfangen Fotos und nutzen Websites, um sich gezielt zu informieren.

Dennoch hat diese Generation auch Nachholbedarf. Viele ältere Menschen kennen die Möglichkeiten, die PC und Internet bieten, nur aus Erzählungen und haben keinerlei Erfahrungen auf dem Gebiet. Diese Zugangsbarriere lässt sich mittlerweile leicht beheben. Wer nicht gleich einen PC-Einsteiger-Kurs belegen möchte, sollte eines der zahlreichen Schnupperseminare besuchen und sich über die Vor- und Nachteile informieren, um dann in Ruhe zu entscheiden, ob es Spaß machen würde, in Zukunft ein „Silver Surfer“ zu sein.

Seit 1999 bietet zum Beispiel die Telekom bundesweit und natürlich auch in Berlin eine solche Hilfestellung an. „Wir wenden uns an die Altersgruppe 50 plus – nach oben sind wir offen“, sagt Rüdiger Gräwe von der Telekom und fügt hinzu, dass „seit Angebotsbeginn bereits 100 000 Teilnehmer eine dieser Informationsveranstaltungen besucht“ hätten. Gleichaltrige Referenten, größtenteils ehemalige oder noch aktive Mitglieder des Unternehmens informieren und gehen ausführlich auf gestellte Fragen ein. „Die Resonanz auf die Referenten und Kurse ist durchweg positiv“, sagt Rüdiger Gräwe. Allerdings habe man keine Erkenntnisse darüber, wie viele Teilnehmer anschließend den Schritt in die elektronische Welt tatsächlich gemacht hätten.

Unter der kostenlosen Hotline 0800 - 330 21 22 kann man sich zu einem dieser Schnupperkurse anmelden. Das sollte rechtzeitig geschehen, denn angesichts der starken Nachfrage gibt es in Berlin zurzeit keine freien Plätze – erst wieder von April an. Das Seminar dauert drei Stunden und kostet nach Auskunft der Telekom 9,90 Euro.

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