Zeitung Heute : E-Mail-Programme: Alles andere als Schneckenpost

Klaus Angermann

Der gute alte Brief hat unübersehbar Konkurrenz bekommen - von Nachrichten, die am Computer verfasst und in Sekundenschnelle über die Telefonleitung versendet werden. Mit erheblichen Konsequenzen für die traditionelle Schneckenpost. Nach einer Studie ist in Amerika der Anteil der E-Mail an der Geschäftspost auf 80 Prozent gestiegen und hat zu 70 Prozent das Fax ersetzt. Auch private User nutzen diesen weltweiten Kontakt mit Freunden und Verwandten, wissen oft jedoch nicht, welche Software sie am besten nutzen sollten. Eine Qual der Wahl, denn der Markt ist riesig: Da gibt es rein textbasierte DOS-Tools, kostenlose Mail-Programme mit vielen Funktionen bis hin zu teuren überfrachteten Programmsammlungen, die das Mailen quasi nebenbei erledigen. Welches Programm eignet sich für wen?

Doch welche Eigenschaften sollten die Programme haben? Wichtig ist zum Beispiel die Verwaltung mehrerer Mail-Accounts auf einer übersichtlichen Oberfläche, denn wer hat heute nur eine E-Mail-Adresse? So lassen sich beispielsweise Mailing-Listen, also abonnierte Newsletter, am einfachsten verwalten. Und damit die verschiedenen Mails auch der Übersicht wegen automatisch in dafür erstellten Ordnern ankommen, sind vernünftige Filterfunktionen unerlässlich. Manche Programme erlauben zudem, vom Mail-Server lediglich die Überschrift einer E-Mail, die so genannte Kopfzeile, herunter zu laden. Eine sinnvolle Sache, wenn man es gerade eilig hat; denn nach dem Markieren lädt man dann nur Wichtiges komplett herunter, der Rest verbleibt vorerst auf dem Server. Wer sich für ein Tool nicht entscheiden kann, sollte ruhig verschiedene Programme austesten. Bei den kostenlosen Programmen ist das überhaupt kein Problem, und auch bei den Shareware-Titeln kann in der Regel 30 Tage getestet werden.

Dass gute E-Mail-Software nicht unbedingt etwas kosten muss, beweist "Outlook Express" von Microsoft. Die Freeware bietet jede Menge Funktionen und Features: Sie unterstützt mehrere Mail-Adressen, verfügt über ausreichende Filtereigenschaften und kann auch für den Sicherheitsliebhaber PGP einbinden. Besonders Gelegenheitsmailer erfreut die gelungene Verbindung von Funktionsvielfalt mit relativ einfacher Bedienung. Eher an den Profi-User wendet sich das gleichfalls kostenlose "Pegasus Mail". Wie Outlook Express bringt es alle nützlichen Funktionen und noch mehr mit: Mit Pegasus können sogar eigene Mail-Server betrieben werden und auch die Integration in Netzwerke empfiehlt das Tool für den professionellen Einsatz, einzig die gewöhnungsbedürftige Oberfläche schreckt Anfänger ab.

Wenn es etwas kosten darf, ist eines der besten Shareware-Programme "The Bat!" von Rittlabs. Für rund 75 Mark (billiger für Studenten) beinhaltet es alles, was das Mailerherz in einer perfekt zu bedienenden Oberfläche begehrt. Und als Gimmick gibt es neben einem über den Monitor laufenden Nachrichtenticker, der neue E-Mails verkündet, per Zusatz-Software die Möglichkeit, das Programm in 15 Sprachen zu bedienen und dies auf Wunsch per Knopfdruck auch jederzeit auszuprobieren. Die Verwaltung der E-Mails ist komplett und kinderleicht, zudem ist die Verschlüsselungs-Software PGP bereits im Lieferumfang enthalten. Ähnlich übersichtlich und vollständig ausgestattet ist der englischsprachige Mailer "PMMail Professional 2000" von Blueprint, der gleichfalls PGP schon mitbringt. Wie bei The Bat! haben so viele Funktionen ihren Preis, hier sind rund 55 Dollar fällig. Dafür sind beispielsweise Filtereinrichtungen ein Kinderspiel und besonders für die Verwaltung vieler Mailing-Listen interessant. Die Explorerartige Oberfläche mit Drag & Drop braucht keine Eingewöhnung und verwöhnt auch Anfänger.

Zu den vorgestellten reinen Mail-Programmen gesellen sich Tools, die mehr können als sich nur mit E-Mails beschäftigen. "Outlook 2000" von Microsoft zum Beispiel ist ein Riesenpaket, das neben dem Versand elektronischer Post auch Adressen und News-Dienste verwaltet oder an Termine erinnert. Die wichtigen Mailfunktionen sind vorhanden, jedoch gibt es (siehe oben) andere Programme, die sich komfortabler bedienen lassen. Das Komplettpaket kostet ferner stolze 250 Mark, ist aber auch in gängigen Office-Paketen bereits enthalten. Da ist eine Einzel-Lizenz des Programms "Lotus Notes" von Lotus mit rund 108 Mark schon billiger, aber wie bei Outlook 2000 sind hier viele Zusatzfunktionen versammelt, die die wenigsten Gelegenheitsmailer nutzen werden. Außerdem ist die Oberfläche nicht auf intuitive Benutzung, sondern auf Abstimmung aller Komponenten mit Datenbankfähigkeiten ausgelegt. Den Power-User stellt diese Kommunikationszentrale zufrieden, der Anfänger ist schlicht überfordert.

Was benutzt nun der Anfänger oder der Profi? Wer nur ab und zu via E-Mail kommunizieren möchte, muss nicht unbedingt Geld ausgeben und findet in Outlook Express oder dem Mail-Programm von Netscape eine kostenfreie Variante, die wirklich viel kann und den Laien nicht überfordert. Spielt Geld allerdings eine untergeordnete Rolle und sollte das Programm neben einfachster Bedienung möglichst alle denkbaren Funktionen enthalten, ist The Bat! erste Wahl. Natürlich kann man auch Outlook 2000 einsetzen, wenn man im Besitz eines aktuellen Office-Paketes ist. Der Kauf dagegen ist weniger interessant, es sei denn, man möchte auch Termine und Kontakte innerhalb eines Programms pflegen, denn da liegen Outlooks wahre Stärken.

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