Zeitung Heute : E-Mail von Bill

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Kurt Sagatz wartet seit Jahren auf Post von Microsoft-Chef Gates. Nun ist sie da.

Ach Bill Gates, wie oft haben wir über dich gesprochen. Entweder mit Ehrfurcht, weil du wie kein anderer den Umgang der Menschen mit dem kalten, lieblosen Computer geprägt hast. Oder weil wieder einmal ein „Bluescreen“ unsere Arbeit zunichte gemacht hat, obwohl du doch versprochen hattest, dass spätestens mit Windows XP alles besser wird. Richtig kalt lässt du keinen von uns, weder den begeisterten Windows-User noch den eingefleischten Linux-Fans.

Man kann die Microsofties schon verstehen, wie es ist, wenn man morgens an seinen Programmierer-Schreibtisch zurückkehrt und plötzlich ist sie da. Die E-Mail von Bill. Für den engeren Kreis der Mitarbeiter in Redmond mag das Routine sein, denn bekanntlich liebt Bill Gates die elektronische Kommunikation. Dass jedoch auch die übrigen Beschäftigten an den Gedanken des großen Software-Architekten teilhaben dürfen, passiert seltener. Alle acht, neun Monate, so hört man, gibt es jedoch diese Momente, in denen das Mitzuteilende so wichtig ist, dass dies alle Mitglieder der großen Microsoft-Familie erfahren sollen.

Wie lange warte ich schon darauf, auch einmal eine E-Mail von dir zu empfangen. Am Samstag nun war es soweit. Sie ist da. Von: Bill Gates. Und tatsächlich kein Fake, kein Scherz wohlmeinender Kollegen oder Freunde. Tatsächlich eine Mail von BillGates @chairman.microsoft.com. Auf ganzen fünf Din-A-4-Seiten erklärst du mir, freilich in Englisch, warum mein jahrelanges Hoffen nicht vergebens war. Und warum diese Mail für mich so wichtig ist, da ich doch zu jenem Kreis von Menschen gehöre, der Computer routiniert beruflich und privat nutzt. Vor allem aber erfahre ich, dass ich nun bald wahrhaft meinem Computer vertrauen darf. Denn „Vertrauenswürdiges Computing“ sei wichtiger als neue Funktionen, schreibst du mir – und wie gerne glaube ich das. Selbst eine neue Architektur kündigst du an – Codewort: Palladium. Doch auf eine so kurze Formel willst du das schließlich gar nicht bringen, so detailiert beschreibst du, warum vieles bislang schlecht war und alles bald viel besser sein wird.

Nur wie genau ich zu der Ehre dieser Mail gekommen bin, das lässt sich vermutlich nie feststellen. Denn mitgeteilt wird nur, dass die elektronische Botschaft an alle Teilnehmer einer der vielen Microsoft-Newsletter gegangen ist. War es nun die Liste zu Windows, oder doch jene zu den Office-Produkten oder vielleicht zu MSN. Immerhin: Sicher ist, dass ich weitere Mails von dir nur bekomme, wenn ich dies auch tatsächlich will. Eine einfache Antwort reicht. Das wäre dann meine erste Mail an Bill.

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