Zeitung Heute : eBay/Alando hält sich für den Marktführer im Segment des Consumer-to-Consumer-Geschäfts

Helmut Merschmann

Kaum ist der Wettbewerb auf dem Internet-Auktionsmarkt so richtig in Gang gekommen, da ist er auch schon entschieden - zumindest nach Ansicht des eBay/Alando-Mitbegründers Alexander Samwer. Er sieht in diesem Marktsegment allein für das Consumer-to-Consumer-Geschäft - also für Versteigerungen privater Angebote - eine große Zukunft: "Da wird nur ein großer Plattform-Anbieter bestehen können." Dabei sieht eBay/Alando für sich selbst die besten Chancen.

Samwer hatte Anfang des Jahres zusammen mit zwei Brüdern und drei Freunden das Internet-Auktionshaus Alando gegründet. Im Mai fusionierten sie mit dem Weltmarktführer, dem US-Unternehmen eBay. Inzwischen ist die gemeinsame Plattform (www.eBay.de) mit täglich rund 550 000 Auktionen im deutschsprachigen Raum führend. Konkurrenten wie dem Hamburger Internet-Auktionshaus Ricardo räumt Samwer nur noch Chancen als Außenseiter ein, weil nach seiner Ansicht das Business-to-Consumer-Geschäft - bei dem neuwertige Produkte versteigert werden und dem sich Ricardo vor allem widmet - keine große Zukunft hat.

Der Business-to-Consumer-Markt werde immer mehr zersplittern, weil viele Firmen ihre Produkte nicht mehr über Internet-Auktionshäuser versteigern werden, sondern auf ihren eigenen Web-Seiten. Dadurch könnten sie die sonst beim Auktionshaus verbleibende Gewinnmarge selbst einstecken und außerdem noch Kunden auf ihre Internet-Angebote locken, so Samwer. Als Beispiel nennt er den Erfinder der Internet-Auktionen, die auf Business-to-Consumer spezialisierte US-Firma Onsale, deren Aktienkurs sich in den letzten Monaten mehr als halbiert hat. Tatsächlich versteigern auch in Deutschland interessante Anbieter wie die Lufthansa oder die Mietwagenfirma Sixt ihre Tickets und Gebrauchtwagen nicht über Auktionshäuser, sondern auf den eigenen Seiten im Internet.

Wer dagegen im Consumer-to-Consumer-Bereich als erstes eine "kritische Masse" von Auktionen erreiche, biete Verkäufern und Käufern den größten Anreiz, auf seinen Seiten etwas anzubieten beziehungsweise zu suchen. "Es gibt für sie dann keinen Grund mehr, noch woanders zu gucken."

eBay/Alando hat nach seiner Darstellung diesen Punkt bereits erreicht. Deshalb will das Unternehmen nun nicht mehr nur eine Art elektronischer Flohmarkt sein, sondern steigt schrittweise auch in den Handel mit höherwertigen Segmenten ein. Kunst ist bereits ins Angebot aufgenommen worden, künftig sollen auch Autos bei eBay/Alando zu haben sein.

Zudem sollen für die Kunden die Risiken des Internet-Auktionsgeschäfts minimiert werden. Bisher weisen Verbraucherschützer immer wieder darauf hin, dass weder Anbieter noch Ersteigerer eine Garantie haben, dass die Ware geliefert beziehungsweise bezahlt wird.

Noch im Oktober will eBay/Alando deshalb ein Zwischenkonto einführen: Dabei überweist der Ersteigerer sein Geld zunächst auf dieses Konto, und der Anbieter schickt nach dem dortigen Eingang die Ware ab; er erhält sein Geld aber erst, wenn sie beim Ersteigerer eingegangen ist und dieser sie für gut befunden hat.

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