Zeitung Heute : Edel, grazil und robust

Herbstanemonen oder Japananemonen sind pflegeleichte Gartenstauden.

Wenn die sanften Sonnenstrahlen des Spätsommers die Staudenrabatte im warmen Licht leuchten lässt, dann zeichnen sich auch auf den zarten Blüten der Herbstanemonen schöne Konturen ab. Sie gehören zu den wichtigsten spät blühenden Gartenstauden. Sie verwandeln den Garten bis zum Frost in ein Meer aus weißen, rosafarbenen oder purpurroten Blüten.

Die Geschichte dieser schönen Pflanzen reicht weit zurück. Bereits im Mittelalter wurde die Herbstanemone (Anemone hupehensis) in China als Zierpflanze kultiviert. Von dort gelangten auch Pflanzen nach Japan, wo gefüllt blühende verwilderte Kulturpflanzen 1835 als Anemone japonica beschrieben wurden. Sie sorgten später für Verwirrungen bei der Nomenklatur, die bis heute bei der Benennung der Herbstanemonen nicht ausgeräumt werden konnten. Für den Gartenfreund nicht von herausragender Bedeutung, spielt bei der Auswahl für den Garten vor allem der optische Eindruck wie Blütenfarbe, Blütengröße, Höhe, aber auch die Standfestigkeit sowie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen eine Rolle.

Die einfach blühende Wildform fand man erst Ende des 19. Jahrhundert am Naturstandort in China und führte sie nach 1900 in England ein. Sie erhielt 1947 von den Engländern E. A. Bowles und W. T. Stearn den Namen Anemone hupehensis, während sie die gefüllt blühende Wildform als Japananemone (Anemone hupehensis var. japonica) bezeichneten.

Die Herbstanemone, auch als Hupehanemone bezeichnet, wächst im mittleren und südwestlichen China. Dort besiedelt sie Grasländer und Gräben in Höhenlagen zwischen 400 und 1800 Metern. Diese schwach behaarte Pflanze bildet einen Schopf dreifach gefiederte Grundblätter, zwischen denen sich von Juli bis Oktober ein Blütenstand von 50 bis 90 Zentimeter Höhe entwickelt. Dieser trägt zwei- bis dreifach verzweigte Trugdolden mit jeweils zwei bis drei purpurroten bis rosafarbenen Blüten.

Die Wildart ist kaum in Gartenkultur. Dafür wurden einige schöne Sorten ausgelesen. Besonders reichblütig ist die 60 bis 80 Zentimeter hohe Sorte 'Praecox', die von August bis Oktober blüht. Sie ist zwar schwachwüchsig, besticht aber mit Blüten in dunklem Altrosa und ist sehr standfest. Durch tief purpurfarbene Blüten zeichnet sich die Sorte 'Splendens' aus. Sie wird 70 bis 90 Zentimeter hoch, blüht ebenfalls von August bis Oktober und ist auch sehr reichblühend.

Wer auf pflegeleichte Anemonen Wert legt, findet in der Filzblättrigen Herbstanemone (Anemone tomentosa) den richtigen Partner. Sie kommt ebenfalls aus China, wo sie in Höhenlagen ab 1200 Meter wächst und daher die härteste Art ist. Aus einem dicken Wurzelstock entspringen drei bis vier dreigeteilte Blätter, die oberseits mit rauen und unterseits dicht mit wollig-filzigen Haaren bedeckt sind und bereits einen hohen Schmuckwert haben. Von Ende Juli bis Oktober bilden sich die rosaroten oder weißen Blüten. Im Handel wird vor allem die Sorte 'Robustissima' angeboten, deren dunkelroten Blumen sehr zahlreich auf fast meterhohen Stengeln erscheinen. Seltener ist die Sorte 'Albadura' erhältlich, die etwa 80 Zentimeter hoch wird und aus rosafarbenen Knospen innen weiße, außen rosafarbene Blüten bildet.

Dominierend im Sortiment sind allerdings Kreuzungen von Anemone hupehensis mit anderen Arten wie der oben erwähnten Anemone tomentosa oder Anemone vitifolia. Das Ergebnis sind kräftige Pflanzen mit prachtvollen, oft halbgefüllten Blüten von weiß bis dunkelrot. Das Sortiment umfasst gegenwärtig 30 Sorten, von denen einige besonders empfehlenswert sind. Als Standardsorte gilt 'Königin Charlotte' mit großen, edel geformten und gefüllten Blüten auf 60 bis 90 Zentimeter hohen, kräftigen Stängeln. Sie ist die prächtigste rosafarbene Herbstanemone überhaupt. Den dunkelsten Farbton finden wir bei 'Prinz Heinrich', einer magentarot blühenden Sorte von 90 bis 120 Zentimeter Höhe. Halbgefüllt, aber weinrot blüht 'Pamina', die 80 Zentimeter hoch wird. Unter den weißen Herbstanemonen ist 'Honorine Jobert' die schönste. Sie wird etwa 90 bis 110 Zentimeter hoch und bringt zahlreiche fünf bis sieben Zentimeter große Blüten auf kräftigen Stengeln. Empfehlenswert ist auch 'Whirlwind' mit weißen, gefüllten Blumen auf 90 bis 120 Zentimeter hohen Stängeln. Noch nicht lange im Sortiment ist 'Ouvertüre', die früheste aller Herbstanemonen mit einfachen Blüten in zartem Rosa. Halbgefüllt und in dunklem Altrosa präsentiert sich die Sorte 'Serenade', mit 100 bis 130 Zentimeter Höhe eine besonders attraktive Pflanze.

Schließlich soll noch die 60 bis 80 Zentimeter hohe Sorte 'Rosenschale' erwähnt werden. Ihre Blüten sind sehr groß, rosafarben und werden von einem roten Rand geziert.

Alle Vertreter der Herbstanemonen bevorzugen einen tiefgründigen, nährstoffreichen und durchlässigen Boden. Außerdem vertragen sie längere Trockenheit im Sommer nicht und reagieren darauf mit Eintrocknen der Knospen.

Herbstanemonen werden für lichten Schatten in der Nähe von Laubgehölzen empfohlen, die den Pflanzen einen Schutz vor Kahlfrösten bieten. Allerdings gedeihen sie auch auf sonnigen bis absonnigen Beeten gut, wo sie reich blühen. Voraussetzung ist dann ein frischer bis feuchter Boden. Herbstanemonen gehören zu den Stauden, denen das Pflanzen und Verpflanzen im Frühjahr besser bekommt als im Herbst. Nur in milden Gegenden können in Töpfen angebotene Exemplare bis Anfang Oktober in den Boden gebracht werden. Tassilo Wengel

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