EDITORIAL : Abstimmung per Schneeball

Des Winters weiße Pracht ist nicht nur hübsch anzuschauen, sondern regt auch die Kreativität an. So fiel mir am S-Bahnhof Yorckstraße ein Plakat auf, mit dem die neuen Alben von drei Stars der wohltemperierten Pop-Unterhaltung beworben wurden. Links James Blunt, mittig Michael Bublé, rechts Josh Groban. Offenbar gibt es Menschen, die ihrer Abneigung gegen gewisse Phänomene der Popmusik mittels Schneeballbewurf Ausdruck verleihen. Wer dachte, alle Bewerber würden ein vergleichbares Maß an Antipathie auf sich ziehen, täuscht sich: Während Grobans Konterfei satte 16 Treffer zählte, waren es bei Blunt drei und bei Bublé sogar nur einer, der dazu aussah, als hätte er dem nebenstehenden Motiv – Groban – gegolten. Meine These: Je akuter eine musikalische Plage, desto stärker der Abwehrreflex. Der harmlose Sinatra-Wiedergänger Bublé ist da einfach nicht satisfaktionsfähig. Und die Heulboje James Blunt irgendwie das Ding von vor fünf Jahren. Aber Josh Groban als jüngere, noch dackeläugigere Ausgabe von Blunt, der wird so richtig eingeseift. Frohes Fest! Jörg Wunder

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