EDITORIAL : Alles so schön rund hier

Anders als Martin Scorsese, der Regisseur des für elf Oscars nominierten Kinomärchens „Hugo Cabret“, mag ich mich noch nicht für die 3D-Welle begeistern. Zugegeben, meine Fähigkeiten als Orakel sind bei technologischen Innovationen wenig überzeugend: Heimcomputer hielt ich bis weit in die Neunziger für ein vorübergehendes Phänomen, und vom Nutzen des Mobiltelefonierens überzeugte mich erst vor wenigen Jahren eine um mein berufliches Fortkommen besorgte Freundin. Wenn ich nun prophezeie, dass man sich irgendwann an den pseudoräumlichen Guckkastenbildern übersehen und alle 3D-Brillen zu Joghurtbechern recyclet haben wird, passiert wahrscheinlich genau das Gegenteil. Und selbst ich gebe zu, dass „Hugo“ ein sehr schöner Film ist, wozu die 3D-Technik ihren Teil beiträgt. Aber dann sah ich am Sonnabend im letzten Sonnengegenlicht feinste Schneekristalle vom Himmel rieseln – eine ganze fantastische 3D-Welt von meinem Wohnzimmerfenster bis zum Horizont. Ins Kino gehe ich trotzdem, aber 3D habe ich in der Realität genug.Jörg Wunder

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