EDITORIAL : Auf dem Sprung

Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Jetzt beginnt die schönste Zeit des Jahres im Volleyball, die Play-offs. Die Spannung wird sich hochschaukeln von Spiel zu Spiel, um sich möglichst spät zu entladen, vielleicht ja für die Volleys aus Berlin erst Ende April im Finale um die deutsche Meisterschaft. Doch schon der Beginn der Play-offs findet für die Berliner alles andere als im Niedrigvoltbereich statt. Ihr erster Gegner sind die Netzhoppers Königs Wusterhausen, ein Derby, einen besseren Auftakt könnte es kaum geben. Dass die Berliner jüngst gegen den kleineren Nachbarn verloren haben, macht den Anfang nur umso interessanter.

Für die Volleys geht es in dieser entscheidenden Saisonphase aber nicht nur darum, Spiele zu gewinnen. Es geht um einen Wachstumsschub. Sie haben selbst einiges dafür getan, um größer zu werden. Haben einen neuen Namen angenommen – und dafür einen vertrauten abgelegt. Sie sind in eine neue Heimat umgezogen, die Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg – und haben eine alte in Charlottenburg verlassen. Dazu gehört schon Mut. Die Belohnung dafür sind nicht nur Siege, sondern auch neue Zuschauer und wirtschaftliche Partner.

Im Grunde müssen die Volleys im Gegensatz zu ihren Konkurrenten aus der Bundesliga auch in einem Wettbewerb mehr bestehen. Es ist der um Aufmerksamkeit in einer Metropole, in der es vor Bundesligamannschaften nur so wimmelt. Die Profiklubs buhlen hart um Zuschauer und Sponsoren. Die nächst größere Stadt in der Volleyball-Bundesliga ist Bottrop und bringt es auf knapp 120 000 Einwohner. In vielen Standorten der Volleyball-Bundesliga hat der Klub eine herausgehobene Stellung. In Berlin nicht.

Drei der zehn zuschauerstärksten Vereine in Deutschland jenseits des Fußballs kommen aus Berlin, die Eisbären, die Füchse und Alba. Die Volleys haben es geschafft, an diese Top Ten Anschluss zu finden. Obwohl ihre Sportart kleiner und weniger präsent ist und ihre Nationalmannschaft nicht ganz so erfolgreich. Aber Volleyball besitzt einen eigenen Charakter, eine besondere Dynamik und Ästhetik. Das Netz trennt nicht nur die beiden Teams, es schützt auch vor Fouls und Ausfälligkeiten, die in anderen Sportarten dazugehören. Volleyball kann guten Gewissens von sich behaupten, ein Familiensport zu sein.

Nicht alles, was zu einem weiteren Wachstum gehört, können die Volleys aus Berlin selbst beeinflussen. Große Fische werden auf Dauer nicht in einem kleinen Teich glücklich. Die Volleys sind daher auch auf ihre Gegner angewiesen. Dass die sich ebenfalls entwickeln, damit es sportliche Duelle mit Wiedererkennungswert geben kann. Und damit die Zuschauer nicht nur die Volleys sehen wollen, sondern auch gespannt sind auf den Gegner und das Spiel.

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