EDITORIAL : Bahn frei, Kartoffelbrei!

Jörg W er

Vergangenen Winter packte mich während einer Frostperiode mit geschlossener Schneedecke akuter Rodelneid, wenn im Viktoriapark am Kreuzberg Jung und Alt die kurzen, aber steilen Hänge hinabbrausten. Doch als ich kürzlich einen Schlitten zum Geburtstag bekam, war ich skeptisch, ob dieser in Zeiten des Klimawandels bald zum Einsatz kommen würde. Von wegen: Zum Jahreswechsel versinkt Berlin im Schnee, also nix wie raus. Auf dem bretthart gefrorenen Boden ist es unmöglich, „das perfekte Verhältnis von Muskeln, Knautschzone und Luftwiderstand“ (SZ „Mobiles Leben“) zu finden und eine makellose Schussfahrt hinzulegen. Stattdessen sieht man aus wie ein „Sack auf Kufen“, während man mit gellendem „Bahn frei!“-Warngebrüll die Piste runterkachelt und betet, dass einem niemand vor den Schlitten springt. Am nächsten Morgen kann man vor dem Spiegel blaugrüne Flecken begutachten und sich fragen, ob man nicht doch etwas zu alt für diesen närrischen Spaß ist. Ach was, so ein Winter muss genutzt werden. Die nächste Warmzeit kommt bestimmt.Jörg Wunder

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