EDITORIAL : Canapé passé

Manche fürchten sie aus dramaturgischen Gründen, weil in ihr die gesamte Spannung eines Abends verpuffen kann. Andere fürchten sie aus sozialen Gründen, weil sie mitunter zu Begegnungen führt, auf die man gerne verzichtet hätte. Ich gestehe, ich fürchte sie aus kulinarischen Gründen: die Konzert-, Oper-, Ballett- und Theaterpause. Was einen dort aus fahl ausgeleuchteten Kühlvitrinen anstarrt, holt einen auf den Boden der Tatsachen – sagen wir – anno 1963 zurück. Wer hier um Canapés ansteht, glaubt nicht länger, in einem Kulturtempel zu weilen. Und für den Preis, für den in der Philharmonie ein winziges Fetzchen Lachs auf Miniaturstulle über den Tresen wandert, bekommt man überall sonst in Berlin solide Straßenkost. Simon Rattle hat ganz recht: Sein Haus wäre städtischer, einladender und besser durchblutet, wenn es ein gutes, allgemein zugängliches Restaurant vorweisen könnte. Der Denkmalsschutz im Scharounbau macht das leider unnötig schwer. Doch über einen neuen Caterer nachzudenken, das wäre im Grunde leicht.

Ulrich Amling

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben