EDITORIAL : Das Eis bricht

Wenn der Berliner Winterschnee kaum herabgesegelt zu grauem Brei schmilzt, schlägt das kräftig aufs Gemüt. Wenn dagegen die Gletscher schmelzen, dann kann sich alles ändern, was wir bislang als sicher annahmen. Natürlich merkt das niemand, der gerade mit dem Grauen zu seinen Füßen hadert. Doch wer im Kino „Beasts Of The Southern Wild“ gesehen hat, weiß, welche Urgewalten losgelassen werden, wenn die Eisspeicher der Erde abtauen. Da gibt es mehr als nur Wasserränder an den Schuhen. Einen anderen Ansatz, das Unfassbare dingfest zu machen, präsentiert das Goethe- Institut im Rahmen des Festivals Unmenschliche Musik. Im Haus der Kulturen der Welt werden die Gletscher selbst von ihrem Hinscheiden künden. Künstler Lillevan erklomm mit einer Expeditionstruppe den kasachischen Gletscher Tujuksu und fing den Klang seines Schmelzens ein. Entstanden ist ein Gletscher-Requiem, das nun auch in Berlin zu hören ist (Lillevan & Artyom Kim: Gletschermusik. So 24.2., 15 Uhr, Eintritt frei). Für Wintermüde, die nicht lebensmüde sind. Ulrich Amling

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