EDITORIAL : Das erste Mal

Gestern Nacht habe ich meine erste Graphic Novel gelesen, einen gezeichneten Roman. Schuld daran ist der mir im Verlag gegenübersitzende Literaturredakteur, ein Spezialist in Sachen Comics. Er schenkte mir das Buch, nicht weil er das unbedingt wollte, sondern weil ich das plötzlich wollte. Bisher hielt ich mich von der Bild-Text-Dechiffrierung hochmütig fern, ich bin kein Comicleser. „Bang“, „Grumpf“, ich find das öd. Doch irgendwie war ich bereit, der Kollege brummelte noch: „vielleicht für’n Anfang nicht ganz so ...“, „na ja“ und händigte mir das Werk aus, das den schmusigen Titel „Mein Freund Dahmer“ trägt. Es erzählt die schlimme und wahre Story über den Serienmörder Jeff Dahmer, der in den neunziger Jahren Dutzende von Menschen ermordet hat. Nach wenigen Seiten hatte ich mich an die Bild- Text-Kombi gewöhnt, richtig gefürchtet hab ich mich erst beim schaurigen Nachwort, das der Literaturredakteur verfasst hat. „Gibt es auch andere Themen?“, frage ich ihn. „Klar“, sagt er. Er will mir als nächstes eine Graphic Novel über Bergsteiger mitbringen. Birgit Rieger

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