EDITORIAL : Das Laute in der Natur

G a Bartels

Wenn’s still ist, ist ja auch mal schön. Nirgends hingehen, nichts hören, zu Hause still vor sich hin schweigen. Da fällt der Krach draußen in den Kastanien besonders auf. Die viel beschworene Stille in der Natur, die gibt’s nämlich gar nicht. Gott sei Dank genauso wenig wie den stummen Frühling, der im gleichnamigen Sachbuchbestseller aus den Sechzigern befürchtet wurde. Im Gegenteil – vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang zanken und zwitschern Ringelrallen, Zeisel und Schrepfen im Hinterhof, als ob sie’s bezahlt kämen. Apropos: Was ist eigentlich heutzutage mit den Nachtigallen los? Sie schlagen zwar bestimmt so süß wie zu Shakespeares Zeiten, aber vertragen offenbar die Umstellung auf die Sommerzeit nicht. Julia jedenfalls könnte sich jetzt nicht mehr auf Romeos beruhigende Worte „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ verlassen. Egal ob um 7, 16 oder 23 Uhr - die moderne Großstadt-Nachtigall singt immer und überall (Treptower Park, S-Bahnbrücke Kolonnenstraße usw.). Zauberhaft, da ganz still zuzuhören. Gunda Bartels

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