EDITORIAL : Das Leben in vollen Zügen

Karfreitag bin ich mal wieder Bahn gefahren. Als spätentschlossener Früheinsteiger hatte ich Glück, den einzigen nicht reservierten Platz in einem Abteil zu ergattern. Und richtete mich auf den üblichen Reiseverlauf ein: Sechs Personen sitzen auf engstem Raum stundenlang zusammen und kommen dank der Segnungen der modernen Technik weitgehend ohne Konversation aus. Diesmal jedoch war alles anders. Schon das Zusteigen der fünf Mitfahrer wurde wegen ihres enormen Gepäckvolumens – zwei fuhren auf Seychellenurlaub, zwei zum Himalaja- Trekking – zur Slapsticknummer. So war das Eis gebrochen, es entwickelte sich die kurzweiligste Zugfahrt, die ich seit seligen Interrail-Zeiten erlebt habe. Die Stunden bis Frankfurt rauschten in einem Wirbel von Anekdoten und Situationskomik vorüber. Selbst das Servicepersonal, das auffallend häufig vorbeischaute, ließ sich von unserer Aufgekratztheit anstecken und offenbarte komödiantisches Potenzial. Auf der Rückfahrt war dann wieder alles, wie es sich gehört: sechs Leute, fünf Kopfhörer, vier Notebooks. Wie öde.Jörg Wunder

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