EDITORIAL : Die gute Stadt

Das Schöne an der Weihnachtszeit ist ja nicht das viele Essen oder die Trompetenmusik, das Schöne ist, dass man Leute wiedertrifft, die man lange nicht gesehen hat, zum Beispiel weil sie weggezogen sind. Man erfährt dann allerhand über den Alltag in anderen Städten. Ein Bekannter, der seit einiger Zeit in New York lebt, erzählte mir, dass er kürzlich für seine Wohnung in Harlem eine Mieterhöhung von 700 Dollar bekam. 700 Dollar, einfach so. Eine Freundin, die auf Sylt lebt, berichtete, dass sie wegen des starken Windes, der zu dieser Jahreszeit auf der Insel weht, nur „mit dem Wind geht“, das heißt sie kann nur dort hin gehen, wo der Wind gerade hinweht, alles andere ist zu anstrengend. Eine dritte, mit einem Schweden verheiratet, klagte, dass ihre schwedischen Bekannten in diesem Jahr geschlossen keine Lust hätten, Silvester zu feiern. In Berlin sind all diese Dinge eher undenkbar. Vielleicht wird also doch nicht alles schlimmer in der Stadt, auch wenn Triebwagenfahrer erkranken und die S-Bahn manchmal nicht fährt. Das nur als frohe Botschaft zum Jahresausklang. Birgit Rieger

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