EDITORIAL : Diskokugel Supernova

Superlativen steht man ja oft ein wenig misstrauisch gegenüber. Als ich kürzlich eine DJ-Anfrage für eine Party in der niedersächsischen Provinz bekam, wurde ich mit dem Versprechen geködert, vor Ort würde sich die größte (leihbare) Diskokugel Norddeutschlands drehen. In meiner hauptstädtischen Arroganz habe ich mit der üblichen Übertreibung gerechnet, um dann beim Betreten der Partylocation schier aus den Latschen zu kippen: Die Scheune des Gastgebers wurde ungefähr zu gefühlten zwei Dritteln von einem spiegelnden Monstrum ausgefüllt, das man in der rustikalen Umgebung auch für einen Teilchenbeschleuniger oder eine Zeitmaschine hätte halten können. Bange Fragen nach der Haltekonstruktion für die 120 Kilo schwere Kugel wurden mit dem Hinweis beruhigt, der Flaschenzug trage eine Tonne. Der irrwitzig erscheinende Aufwand hat sich indes voll ausgezahlt: Im berauschenden Wirbel unzähliger Lichtpunkte drehten sich die Tanzenden umso enthusiastischer zu Hits und Raritäten von den Sechzigern bis heute. Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen. Jörg Wunder

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