EDITORIAL : Draußen vor der Tür

Jörg W er

Kennen Sie diese Tage, an denen man sich schon morgens quasi per Gesetz zu guter Laune verpflichtet fühlt? Man hat frei, die Sonne strahlt aus allen Knopflöchern, die Vögel zwitschern. Dann bleibt man etwas zu lange in den Federn, verliert sich in der Frühstückslektüre, und schon ist es zu spät für den geplanten Ausflug ins Grüne. Stattdessen ein kleines Touristenprogramm in den Stadtgrenzen? Die angesteuerte Gemäldegalerie im Jagdschloss Grunewald wird leider bis 2009 grundsaniert, der erhoffte Panoramablick vom Grunewaldturm bleibt verwehrt: Wegen Baufälligkeit ist der Backsteinklotz seit einem Jahr gesperrt, EU-Fördergelder sind beantragt. Fast schon resigniert stapft man durchs urbane Gehölz zum Friedhof Grunewald-Forst: bestimmt wegen umsturzgefährdeter Grabsteine geschlossen. Aber dann ist der ehemalige „Selbstmörderfriedhof“, wo auch die 1988 auf Ibiza tot vom Rad gefallene Sängerin Nico ein bescheidenes Epitaph hat, nicht nur menschenleer und geöffnet, sondern das friedlichste Idyll, das sich in unserer Dreieinhalbmillionen-Metropole denken lässt. Alles ist gut.Jörg Wunder

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