EDITORIAL : Ein Hund namens Calvin

Ulrich Amling

Wir müssen unser ganzes Leben lang vorwärts kommen, und alles, was wir erreichet haben, ist immer nur Anfang.“ Es war ein strenger Mann, der diesen Ausspruch tat und ein unerbittliches Arbeits- ethos formulierte: Johannes Calvin, der an diesem Freitag seinen 500. Geburtstag feiert. Er sah geistige Widersacher gern auf dem Scheiterhaufens schmoren und war bei den Einwohnern Genfs, deren Heimat er in eine Musterstadt verwandeln wollte, herzlich unbeliebt. So sehr, dass „Calvin“ dort zu einem beliebten Hundenamen avancierte. Gegen die rigorose Fleißigkeit einfordernden Äußerungen des Reformators waren die Hartz-IV-Sprüche von Ex-Senator Sarrazin Kuschelangebote. Calvin wird gerne als Vater allen Zeitmanagement gehandelt – und das lässt uns doch stutzig werden. Vielleicht brauchen wir ihn ja, schließlich reicht die Zeit nie aus, um gut und nützlich zu sein. Besuchen wir Calvin zu seinem Geburtstag. Dann ist die ihm gewidmete Ausstellung im Deutschen Historischen Museum kostenlos zu besichtigen. Das ist ein Anfang (s. auch S. 18). Ulrich Amling

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