EDITORIAL : Gespannt auf Krawall

Zweifel und krumme Fragen gehören bei Künstlern zum Berufsbild, ebenso den eigenen Berufsstand in Frage zu stellen. Einer, der das intensiv tut, ist Artur Zmijewski, Kurator der im April 2012 beginnenden Berlin Biennale. Zmijewski, seit einem Jahr in Berlin lebend, bereitet das Kunst-Großevent eher im Stillen vor. Doch kürzlich flatterte ein Newsletter ins Haus, in dem Zmijewski der Kunstwelt vorwarf, dass sie drauf und dran sei, zur neoliberalen Elite zu verkommen und mehr an finanziellem Profit interessiert sei als an politischer Wirkung. Autsch! In diesem Zuge stellte Zmijewski seine Ko-Kuratoren für die Biennale vor: die Künstlergruppe Voina, die größten Provokateure Russlands. Diese Robin Hoods der Kunst wurden weltweit bekannt als sie in einer Guerilla-Aktion einen riesigen Penis auf die Litejnyj-Brücke in St. Petersburg pinselten. Da die Brücke nachts hochgeklappt wird, kam der Penis recht gut zur Geltung. Kann nicht schaden, wenn Voina, frech wie sie sind, der Berlin Biennale oder gar der ganzen Stadt ihren Stempel aufdrücken. Birgit Rieger

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