EDITORIAL : Grau sind alle meine Tage

Langsam reicht’s. Eigentlich halte ich mich nicht für besonders wetterfühlig. Natürlich mag ich milde Frühlingstage lieber als solche mit strengem Frost oder Dauerregen. Aber den mitteleuropäischen Wechsel der Jahreszeiten halte ich für eine segensreiche Einrichtung, weil man die hellen, warmen Monate umso mehr zu schätzen lernt. Doch in diesem Winter, dem Vernehmen nach der dunkelste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, hat mich eine massive Niedergeschlagenheit erfasst. Die bringt ungute Charakterzüge zum Vorschein. So kann ich nur mühsam Neid unterdrücken, als ein Kollege von seiner Pressereise nach Israel erzählt. Tel Aviv ist wie Berlin am Meer? Und warum bin ich dann hier? Was kann man tun? Entweder den Finger in die Wunde legen und etwa ins Mies-van-derRohe-Haus gehen, um sich „Hauptsache Grau“ (ab 1.3.) anzusehen, die erste von vier Themenausstellungen zur unbuntesten aller Farben. Oder die kleine Flucht in den Kinosaal antreten: „Hyde Park am Hudson“ (Seite 3) trägt fort in ein lichtdurchflutetes Arkadien. Jetzt muss nur noch in echt die Sonne rauskommen.Jörg Wunder

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