EDITORIAL : Haart an der Grenze

Wenn die ersten Strähnen ins Gesicht fallen oder die gewaschenen Haare nicht mehr beim Frühstück trocknen, dann weiß ich: Bald muss ich wieder zum Friseur. Eine Erkenntnis, die mich mit der gleichen Vorfreude erfüllt wie als Kind der Gang zum Zahnarzt. Obwohl streng genommen überflüssig – notfalls könnte man sich die Zotteln auch selbst mit der Schere stutzen –, hat doch kaum ein Berufsstand so viel Einfluss auf das alltägliche Wohlbefinden wie das Friseurhandwerk. Ich erinnere mich noch gut an das Gefühlsgemisch aus Wut und Scham, als ich bei der letzten Fußball-WM in einer Kneipe public viewte und meine Getränke auf einem Bierdeckel mit der Bezeichnung „Topf“ notiert wurden. Muss ich erwähnen, dass ich kurz zuvor beim Friseur war und der obligatorische Kundendialog (Fasson oder stufig) mal wieder im Missverständnis mündete? Andererseits gibt es wenig Schöneres, als nach dem Friseurbesuch beim prüfenden Blick in den Spiegel festzustellen, dass man viel besser aussieht als zuvor. Es ist halt eine Lotterie. Ich schlottere jetzt schon.Jörg Wunder

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben