EDITORIAL : Hier brummt mehr als nur der Bär

Lorenz Maroldt,
Lorenz Maroldt,

Das Wappentier Berlins ist der Bär, genauer gesagt: ist noch der Bär. Die beiden letzten lebenden Stadtbären, die diese Tradition symbolisieren, Maxi und Schnute, Mitte-Bewohner im Köllnischen Park, sollen raus aus Berlin, in jedem Fall aber hier keine Nachfolger mehr bekommen. Sie scheinen tatsächlich etwas aus der Zeit gefallen zu sein, die Stadtbären, aber nicht etwa, weil das Gehege vielleicht etwas zu klein ist oder die Haltung zu teuer, nein: Berlin ist auch symbolisch einfach nicht mehr die Stadt des Bären, dem Symbol für eine Baisse, für anhaltend fallende Kurse. Was hier brummt, das sind nicht mehr Maxi und Schnute, das ist das pralle Leben, ist Entdeckermut, Lust auf Neues, und ja: ist auch die Wirtschaft.

Boom – das bedeutet donnern und dröhnen, etwas, das Berlin ja schon immer gut konnte, bedeutet auch brummen, steigende Kurse, wachsende Anziehungskraft, Aufschwung,

Aufschwung? Wo? In Berlin? Guter Witz – da bekommen sie doch nicht mal ihren Flughafen fertig! Wie auch, etwa mit Almosenempfängern und Müßiggängern? Das ist so in etwa das, was anderswo über die Hauptstadt zu hören ist. Aber das entspricht so gar nicht dem Gefühl in Berlin selbst, und schon gar nicht dem wirklichen Bild. Hier wird gegründet, hier wird gemacht und getan, so pünktlich und in solcher Qualität, dass es alle Klischees und Vorurteile tatsächlich als solche entlarvt. Hier wird erfunden und probiert, riskiert und verdient, natürlich, immer öfter, immer mehr. Eine Folge davon: Vieles wird teurer, manches langsam, manches schneller, zum Beispiel die Mieten; aber auch das ist, nicht nur nach der Meinung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, ein klares Zeichen für wirtschaftliches Wachstum.

Und auch andere Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, das zeigt der gerade veröffentlichte Konjunkturbericht zur wirtschaftlichen Lage Berlins für das erste Quartal 2013. Im März gab es hier 1,21 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, das sind 33 000 mehr als im Monat zuvor und bedeutet ein Plus von 2,8 Prozent. Im Vergleich dazu der Bundesdurchschnitt: nur 1,3 Prozent Plus. Kein andere Bundesland hat hier eine solche Steigerungsrate erreicht wie Berlin – das kann also nicht nur am Wetter liegen.

Weitere Indikatoren belegen eine offensichtlich ansteckende Dynamik: Monat für Monat werden in Berlin mehr Unternehmen angemeldet als abgemeldet, ein stetiges Wachstum also, trotz eher mäßiger bundesweiter Wirtschaftsdaten. Vor allem Einzelunternehmen spielen beim Gründungsgeschehen in Berlin eine bedeutende Rolle; in den ersten drei Monaten des Jahres entfielen auf sie vier von fünf neu angemeldeten Unternehmen, und davon wiederum wurde jedes dritte von einer Frau gegründet.

Da können München und Hamburg nicht mithalten. Das alles spricht dafür, dass immer mehr Menschen in Berlin ihr Leben mutig und optimistisch in die eigene Hand nehmen.

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind das Herz der Berliner Wirtschaft; seit mehr als einem Jahr stellen wir täglich eines davon im Wirtschaftsteil vor, in unserer Rubrik „Berlin, aber oho“. Die Geschichten der Gründer und vieles mehr beschreiben wir Monat für Monat in unserem Wirtschaftsmagazin „Berlin Maximal“. Und die folgenden Seiten „Boomstadt Berlin“ sind all jenen gewidmet, die an diese Stadt glauben, die hier etwas riskieren, die hier investieren, die etwas beitragen zur Dynamik und zum Wachstum Berlins.

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