EDITORIAL : Horch mal, was da lärmt

Ich stöbere einfach gern rum. Auf Flohmärkten, in Antiquariaten, sogar in den Sammlungen von Freunden und Bekannten. Immer auf der Suche nach seltsamen Platten, die meinen musikalischen Horizont erweitern könnten. Manchmal wird man dabei an den unerwartetsten Orten fündig. So fiel mir beim eher zufälligen Sichten der CD-Bestände in der Neuköllner Helene-Nathan-Bibliothek ein obskures Werk in die Hände: „Tokyo Anal Dynamite“ der japanischen Gruppe The Gerogerigegege. Hui, das ist vielleicht mal ein Krawall! 75 Stücke, die jeweils um die 30 Sekunden dauern und im Wesentlichen aus infernalischem Kreischen, maschinengewehrartigem Getrommel und Gitarrengeschredder bestehen. Einige der Songs sollen Coverversionen von, beispielsweise, Rolling Stones oder The Cure sein. Mit viel Fantasie kann man das sogar hören. Das Cover ist von erlesener Obszönität. Wie diese Rarität in die Bestände der Bibliothek geraten ist, zwischen denen sie wirkt wie eine Handgranate in der Spielwarenabteilung, würde ich zu gerne wissen. Es ist eine fremde und seltsame Welt.Jörg Wunder

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