EDITORIAL : Horch mal, was da quäkt

Man muss kein Kulturpessimist sein, um den aktuellen Stand der Wahrnehmung und Wertschätzung von Popmusik mit Sorge zu verfolgen. Dazu zwei kleine Beobachtungen aus dem Berliner Alltag. An einem Donnerstagnachmittag, zur besten Shoppingzeit, lungern in der Tonträgerabteilung von Karstadt am Hermannplatz genau drei potenzielle Kunden herum. Als ich einst nach Berlin kam, war Karstadt eine der ersten Plattenkaufadressen der Stadt. Heute findet man in dem gut in der dritten Etage versteckten Sortiment vor allem Ramsch der „3 CDs für 10 Euro“- Kategorie. Traurig. Wenig später: Aus einem Schulgebäude in einer Neuköllner Wohnstraße dringt monotones Gequäke. Ein junges Paar schlendert vorbei, er sagt wissend zu ihr: „Boah, is’ das schlecht. Klingt voll scheiße, die E-Gitarre.“ Allein, der schauderhafte Lärm stammt von einem Dudelsack. Bedenklich. Wie eine E-Gitarre zu klingen hat, kann man jede Woche auf diversen Konzerten hören. Ein paar der besten empfehlen wir auf unseren Pop- Seiten. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät, das Ruder rumzureißen. Jörg Wunder

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