EDITORIAL : Ich werd’ zum Grottenolm

Sechsunddreißig Grad, und es wird noch heißer – ich hoffe inständig, dass der 2007er Hochsommerhit des Berliner Popduos 2raumwohnung keinen Ausblick auf die kommenden Tage bietet. Denn ich bekenne offen, auch wenn ich mir damit womöglich den Unmut aller Sonnenanbeter und Badestellenblockierer zuziehen sollte: Ich bin ein Hitzemuffel. Alles was über 25, maximal 30 Grad hinaus geht, empfinde ich als meteorologische Zumutung. Es lässt mich in einen schildkrötenartigen Zustand dumpfen Brütens versinken und von schattigen Höhlen träumen, während ich im unklimatisierten Großraumbüro langsam in den flüssigen Aggregatzustand übergehe. Doch es kommt noch besser: Ich maße mir nicht nur an, klimawandlerisch überhitzte Hundstage zu geißeln, nein, ich gehöre auch zu jenen mimosenhaften Zeitgenossen, die auch im Winter bei zehn Grad unter Null rumjammern. Trotzdem bin ich kein Freund des ewigen Frühlings und von Herzen froh, in einem jahreszeitlich so abwechslungsreichen Teil der Erde leben zu dürfen. Aber man wird ja wohl noch meckern dürfen.Jörg Wunder

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