EDITORIAL : Kultur ist Camping

Also Gewalt geht so gar nicht. Das kann ich aus vollem Brustton der Überzeugung sagen. Ich habe selbst erlebt, wie schwer es ist, angesichts unterirdischer Diskussionen nicht nur die eigenen Haare zu raufen. Der Kampf ums Lab, initiiert von einem weltberühmten New Yorker Museum und einer weltberühmten bayerischen Automarke, ist da nur der Anfang. Natürlich muss über vieles geredet, auch gestritten werden, was mit dieser Stadt passiert. Kein Mensch will immerzu auf Baustellen gucken und dabei wissen, dass er sich den entstehenden Wohnraum nie wird leisten können. Aber in einem Kampfgebiet will niemand leben. Jetzt fordern erste, Berlins Opernpaläste zu schleifen und die erbeuteten Millionen in den Kreativhütten zu verteilen. Als ob bei der Kultur vergleichsweise nicht immer Camping angesagt wäre. Maßstäbe zu finden und Streiten zu lernen, das ist es, was die Stadt jetzt braucht. Wo könnte sie es üben? Vielleicht im Konzerthaus, bei der Reihe „2xhören“. Oder beim „Streit ums Politische“ in der Schaubühne. Hingehen!

Ulrich Amling

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