EDITORIAL : Leben erleben

Stephan-Andreas Casdorff

Und es war wieder so ein Tag, wo der Morgen versprach, was der Abend würde halten müssen. Er wusste es schon beim Aufstehen. Sein Gesicht sah ihn an, und es fragte: Was hast du mit mir vor? Welche Falten kommen heute dazu? Er musste lachen bei dem Gedanken. Denn früher war es so gewesen, dass er sich Falten gewünscht hatte, um nicht ganz so jung auszusehen. Das war vorbei. Inzwischen sah er fast so alt aus, wie er war.

Je länger der Abend dauerte, desto jünger würde er sich fühlen, das stand für ihn schon am Morgen fest. Weil er in der Zwischenzeit doch so viel erlebt haben würde. Und Erleben war das Wort, auf das sich von nun an alles konzentrierte.

Es ist doch so: Wer versucht, bewusst aufzunehmen, was alles geschieht, der sieht an einem Tag so viel Leben, dass es Bände füllen könnte. Die überraschenden Wendungen, die ein Tag nimmt. Oder wie morgendliche Fremdheit weicht. Dann die berührenden Momente. Er freute sich darauf. Da, Lachfältchen. Und er dachte: This is – myLife. Heute Abend.Stephan-Andreas Casdorff

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