EDITORIAL : Links, zwo, drei, vier

Deutsche haben ein schlechtes Rhythmusgefühl. Einen weiteren Beweis dafür bekam ich beim einzigen Deutschlandkonzert von Sharon Jones & The Dap-Kings im Astra: Während der wenigen mitklatschfähigen Passagen hämmerte das Publikum gnadenlos jede Zählzeit durch. Als wären wir in einer Volksmusiksendung. Ich hatte angenommen, dass bei einem Soulkonzert vielleicht ein gewisses Gespür für Groove vorhanden ist und man es schafft, den zweiten und den vierten Schlag zu betonen. Aber nichts da! Woher kommt nur diese Behinderung? Ich glaube, es gibt mehrere Gründe: erstens natürlich die Nazis, die jahrelang so hart das Marschieren trainieren ließen, dass sich der Takt quasi ins Genom eingeschrieben hat. Zudem ist wohl jede deutsche Hör-Sozialisation beeinflusst von der Schlagerkultur und dem miesen Klatsch-Vorbild von Sendungen wie der ZDF-Hitparade. Aber die deutsche Stampftakt-Vorliebe hat auch positive Seiten: Sie hat die Erfindung von Techno ermöglicht. Trotzdem: Als kleine Grooveschule empfehle ich Femi Kutis Konzert am 20.4. in der Volksbühne. Nadine Lange

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