EDITORIAL : Moderne Zeiten

Bei einer Umfrage des DGB erklärten kürzlich 63 Prozent aller Befragten, dass sie immer mehr in der gleichen Zeit leisten müssten. Das würde ich sofort unterschreiben. Multitasking ist eine der Plagen des zeitgenössischen Redaktionsalltags. Keine Chance, Dinge nacheinander abzuarbeiten. Eher möchte man sein Gehirn in unabhängige Funktionseinheiten teilen, um gleichzeitig telefonieren, Mails checken, Texte schreiben und redigieren, Fotos bearbeiten und natürlich den unerlässlichen Bürosmalltalk führen zu können. Wie anstrengend das ist, merkt man am Ende des Arbeitstages, wenn man mit der Körperspannung eines schlaffen Luftballons ins Freie taumelt. Der einzige Trost liegt darin, dass es anderen genauso geht. Als ich unlängst bei einem Veranstalter anrief, um mich nach dem Verbleib bestellter Fotos zu erkundigen, hatte ich eine hörbar überforderte junge Frau am Telefon, die klang, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen und um Verständnis für die Verzögerung bat, denn „bei uns brennt grad das Büro.“ Die Fotos kamen dann zwei Tage später – beruhigend. Jörg Wunder

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