EDITORIAL : Mond anschlafen

Neulich habe ich bei einem Vortrag in einer eigentlich sehr schönen und aufmerksamen Kulturinstitution sehr gut geschlafen. Unangenehm. Einzige Entschuldigung: Es war wohl kein Vollmond. Denn bei Vollmond schläft der Mensch nicht so gut. Erstaunlich, dass diese Volksweisheit erst jetzt, wo doch längst alles erforscht ist, durch wissenschaftliche Studien bestätigt wurde. Schlafdaten von Freiwilligen, die eigentlich dazu dienen sollten, zu erforschen, wie Menschen im Schlaf altern, wurden auf Mondzyklen untersucht. Ein paar Tage vor und nach Vollmond dauert es also fünf Minuten länger, bis man in den Schlaf findet, die Menschen schlafen 20 Minuten weniger und haben weniger Tiefschlaf. Mit dem Licht des Vollmondes hat das nichts zu tun. Es ist wohl eher etwas Hormonelles, selbst wenn man den Mond nicht sieht, schläft man schlechter. Sind wir also in der Stadt doch noch derart eins mit der Natur. Das finde ich schön. Und wenn ich mal wieder einen Vortrag besuche, tue ich es zur Vollmondzeit, ich kann dann ohne Probleme 20 Minuten länger wach bleiben.Birgit Rieger

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