EDITORIAL : Mut ist eine Tugend

Vom 31. August bis 18. September blickt das „Musikfest Berlin 2012“ Richtung Amerika. Es geht um den Prozess, in dem sich die US-Komponisten von der Dominanz europäischer Vorbilder lösten, aber auch um die Wechselwirkungen zwischen Old Europe und dem Kontinent jenseits des Atlantiks.

Den gedanklichen Ausgangspunkt bildet dabei der 100. Geburtstag von John Cage. Dessen „Apartment House 1776“ kombiniert Musik aus der Gründerzeit der Vereinigten Staaten: die der Protestanten ebenso wie der sephardischen Juden, der Indianer und der schwarzen Sklaven. Mit dem St. Louis Symphony Orchestra kommt das zweitälteste Orchester der USA nach Berlin, Mariss Jansons wird mit dem Concertgebouworkest Amsterdam Varèses „Amériques“ interpretieren.

Erstmals präsentiert das von den Berliner Festspielen veranstaltete Herbstfestival drei Opern in konzertanten Aufführungen: Ein Meilenstein der US-Musikgeschichte wie Gershwins „Porgy and Bess“ wird mit „Moses und Aron“ konfrontiert, dessen Partitur Arnold Schönberg mit ins kalifornische Exil brachte. Die genuin nordamerikanische Stilrichtung der Minimal Music vertritt John Adams, der seine Oper „Nixon in China“ auch selber dirigiert.

Winrich Hopp, der künstlerische Leiter des „Musikfest Berlin“, kann sich solche herausfordernde Schwerpunktsetzungen erlauben. Schließlich hat er sich in den letzten Jahren durch brillant komponierte Programme einen exzellenten Ruf beim Hauptstadtpublikum erworben. Und so werden ihm die Berliner und ihre Gäste hoffentlich auch diesmal wieder das nötige Vorschussvertrauen entgegenbringen. Mit dieser Beilage wollen wir Ihnen Lust machen, sich auf das Abenteuer Amerika beim „Musikfest Berlin 2012“ einzulassen. Rolf Brockschmidt

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