EDITORIAL : Mut zur Peinlichkeit

Lieblingslieder, die ein bisschen uncool sind, hat jeder. Meist werden sie aber nur heimlich in der Badewanne oder beim Kochen gesungen. In Gesellschaft gibt kaum jemand zu, eine Schwäche für Bostons „More than a Feeling“ oder „The Power of Love“ von Frankie goes to Hollywood“ zu haben. Auf Englisch gibt es für dieses Phänomen den schönen Ausdruck Guilty Pleasure (etwa: „Vergnügen mit Gewissensbissen“). Auch die Musik von Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ fällt in diese Kategorie. Jetzt hat sich die Berliner Elektromusikerin Peaches als Fan dieser 40 Jahre alten Songs geoutet – und ihr alter Freund und Mitmusiker Gonzales gleich mit. Beide wussten nichts von der Obsession des/der anderen. Dabei können beide das Musical auswendig. Von Donnerstag bis Samstag zeigen sie – nach überstandenem Ärger mit dem Mangement von Andrew Lloyd Webber – ihre eigene minimalistische Version des Stücks unter dem Titel „Peaches Christ Superstar“ im HAU 1 (Stresemannstr. 29). Peaches singt alle Rollen, Gonzales begleitet sie am Klavier. Mutig! Nadine Lange

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!