EDITORIAL : Pause von der Pause

Mein Klassikredakteur- partner H. stöhnt gequält auf, als er seinen Computer anschaltet und sich auf den Stuhl fallen lässt. „Wie war der Abend“, frage ich zartfühlend. „Keine Pause“, stößt er hervor. „Zweieinhalb Stunden Konzertprogramm! Sechs Zugaben! Und keine Pause!“ H. ist ein Liebhaber unterbrochener Programmfolgen. Die Pause ist ihm fast so heilig wie die unbefleckte Empfängnis dem Franziskus. Die Pausenlosigkeit dagegen ist ihm verhasst, weil sie Besinnungslosigkeit führt, ohne die Aussicht auf lockernde Gespräche zwischen den Blöcken. Sicher spielen in diesem Zusammenhang auch H.s lange Beine eine Rolle. Schätze ich pausenlose Abende, weil ich eher kompakt bin? Oder weniger gerne in Foyers plaudere? Oder weil ich schneller wieder draußen sein will? Simon Rattle hat seine pausenlose „Katja Kabanova“ an der Staatsoper damit verteidigt, dass sie Pausengeplänkel nicht vertrage. Wer verträgt es? Früher kommen, länger bleiben, in der Kunst, pausenlos. Das wäre ein idealer Abend. Wenn Konzertsäle wirklich Räume wären und keine Pausenhallen. Ulrich Amling

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