EDITORIAL : Potsen- Blues

Nadine Lange

Die Potsdamer Straße hat nur ein kurzes glamouröses Stück: vom Potsdamer Platz bis zu Neuen Nationalgalerie. Momentan glitzert sie im Scheinwerferlicht der Berlinale besonders hell. Doch sobald man den Landwehrkanal überquert, beginnt das Elend. Runtergerockte Betonwürfelarchitektur beherbergt Billigläden und Imbiss-Stuben oder steht schon ewig leer. Dazwischen mischt sich immer mal ein Lichtblick wie die Josef-Roth- Diele, doch dominiert wird die Szenerie von Hässlichkeitshighlights wie dem Sexkaufhaus an der Ecke Kurfürstenstraße. Seit bald zehn Jahren verfolge ich die Entwicklung der Potsdamer Straße, denn hier liegt auch die Tagesspiegel-Redaktion. Langsam bin ich mir sicher: Das wird nichts mehr mit dem langen Ende der Potse. Jetzt ist auch noch unser Nachbar, der Wintergarten, pleite. Obwohl ich kein großer Varieté-Fan bin, macht es traurig, dass die 2000 Glühbirnen auf der anderen Straßenseite nicht mehr angeknipst und die Rollgitter nicht mehr hochgezogen werden. Ich werde die Straße nicht vermissen, wenn der Tagesspiegel Ende des Jahres wegzieht. Nadine Lange

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