EDITORIAL : Rad der Geschichte

Dass sich das Leben um uns herum verändert, sagt sich so leicht, wirklich beobachten lässt es sich nur selten. Deshalb hat sich der Berliner angewöhnt, seine Gäste ganz genau anzuschauen – mit der verwirrenden Konsequenz, dass einige Bezirke keinen Besuch von außerhalb mehr wollen. Dennoch ist Berlins Weltläufigkeit nicht aufzuhalten. Wollen Sie wissen, warum? Dann stellen Sie sich am Freitag zum europäischen Tag des Fahrrads doch mal an die Siegessäule. Dort wird ein völlig neuer Typus des Städtereisenden Ihren Weg queren, in Schlangenlinien. Hingeduckt auf zu niedrig eingestellten Satteln, mit träumerischem Blick und in elastischen Kleingruppen schneiden Menschen durch den Verkehr, die nie zuvor etwas von Berlin und seinen Straßen gesehen haben. Auch das Fahrrad als Fortbewegungsmittel scheint ihnen fremd und Balance ein seltenes Glück. Dass zu jedem Hostel, das etwas auf sich hält, ein Radverleih mittlerweile so selbstverständlich wie WLAN gehört, muss der Einheimische erst noch lernen. Und ungeahnte Rücksichten nehmen, nicht nur am Radfeiertag. Ulrich Amling

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