EDITORIAL : Rocken an Ostern

Ostern ist das schönste Fest des Jahres, das fand ich immer, obwohl man in dem bayerischen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, zu Ostern an fünf aufeinanderfolgenden Tagen in die Kirche zu gehen pflegte. Erst Gründonnerstag, dann sehr lang und ausgiebig am Karfreitag, zur dritten Stunde (15 Uhr), da starb Jesus. Zur „Osternacht“ am Samstag durfte man Brot und Eier mitbringen, um sie vom Pfarrer segnen zu lassen (Tasche aufmachen nicht vergessen, damit der Segen hinein kann). Am Ostersonntag ging man sowieso. Das Beste am Ostermontag war, dass der Pfarrer, ermüdet von den Strapazen der vergangenen Tage, die Predigt wegließ. Seit dieser Zeit bin ich nie wieder fünfmal hintereinander in der Kirche gewesen. Aber ich erinnere mich mit einem gewissen Stolz daran, etwa so, wie ein Marathonläufer sich über sein Durchhaltevermögen freut. Was in Bayern der Kirchgang, ist in Berlin die Kultur. Nicht nur an fünf, gleich an sieben aufeinanderfolgenden Tagen gibt es das volle Programm. Am Karfreitag findet man mich trotzdem eher in der Kirche als bei Scooter in der O2 World. Birgit Rieger

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