EDITORIAL : Ruhe ist erstes Bürgerrecht!

Nun ist es amtlich: Der Knaack-Club muss nach 59 Jahren schließen. Das ist nicht nur traurig, weil damit einer der traditionsreichsten Musikläden Berlins zum Opfer einer durch mehrere Gerichtsinstanzen geschleppten Posse zwischen klagewütigen Neunachbarn, Senatsstellen und Clubbetreibern wird. Sondern, weil es – neben der angeordneten Lärm-Limitierung im Roten Salon der Volksbühne – ein fatales Zeichen setzt: Wo immer sich rechtsschutzversicherte Anwohner durch den laufenden Betrieb molestiert fühlen, können sie ihr vermeintliches Bürgerrecht auf urbane Friedhofsruhe erzwingen. Selbst wenn, wie beim Knaack, ein mangelhaft schallisolierter Neubau neben den bestehenden Club gesetzt wird. Zwar entstehen in Berlin – etwa rund ums Schlesische Tor oder in Nordneukölln – neue Vergnügungsreservate, doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis das spießbürgerliche Rollback einsetzt. Was tun? Zumindest noch mal voll die Verstärker aufdrehen. Etwa beim hoffentlich höllisch lauten Abschiedskonzert im Knaack am Samstag. Da werden die Nachbarn blöd gucken.Jörg Wunder

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