EDITORIAL : Sound of Silence

Lorenz Maroldt

Seit ich kaum noch CDs kaufe, sondern digitale Nutzungsrechte, lagert meine Musik auf einer Laptopfestplatte, nein, falsch: lagerte. Nach einer fahrlässigen Datenoperation verfügte die Bibliothek plötzlich statt über x-tausende Stücke noch über ein einziges, von einem zynischen Chipgott willkürlich ausgewählt, irgendwas von den Arctic Monkeys. Katastrophe. Kaum ein Song gesichert, die meistens CDs zerkratzt. Und die Schmerzen wurden größer, nachdem ein Kollege einen Teil der Dateien wieder hervorzauberte, weil mir um so klarer wurde, dass ich nicht einmal weiß, was fehlt. Dann zeigte mir mein schwarzer Nano auch noch einen verzerrten Smiley, so wie das Stimmungs-leer-Zeichen bei myspace, und verabschiedete sich.

Irgendwann aber begannen sich in der Stille in meinem Kopf ein paar Songs zusammenzusetzen, die nicht mehr auf der Laptopfestplatte waren, aber auf meinen ganz eigenen Chips gespeichert sind. Ich hörte „Julie Ocean“ von den Undertones, „Le vent nous portera“ von Noir Desir, die Ferdiies, Pixies... Und der Nano geht auch wieder. Lorenz Maroldt

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