EDITORIAL : The kids are alright

Nadine Lange

Die Jugend von Neukölln macht selten positive Schlagzeilen. Wer den Bezirk nur aus den Medien kennt, könnte glatt meinen, hier werde an jeder Ecke abgezogen und gedealt. Und die Kopftuchmädchen sitzen derweil brav zu Hause. So ist es natürlich nicht. Gelegenheit zum Reality-Check bietet sich etwa beim Besuch der Helene-Nathan-Bibliothek unter dem Dach des Neukölln-Arcaden-Einkaufszentrums. Schaut man dort nachmittags vorbei, trifft man regelmäßig Jugendliche – viele mit dem berühmten Migrationshintergrund –, die an den Tischen Hausaufgaben machen. Ein Junge erklärt seiner Nachbarin, dass sie bei ihrer Rechnung „1 im Sinn haben“ muss, während zwei Freunde sich mit einer Massenberechnung abrackern. Ein paar Meter weiter fragt ein Mädchen nach dem Roman „Das kunstseidene Mädchen“. Natürlich wird auch viel gequasselt und gekichert – ein Ort der stillen Versenkung in die Weltliteratur ist diese Bibliothek wahrlich nicht. Dafür kriegt das miese Image von den bildungsfernen Neukölln-Kids ein paar Schrammen. Gut so. Nadine Lange

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