EDITORIAL : Verschwende sich wer kann

Es gibt immer wieder einen Aufschrei, wenn auffliegt, dass Kultur tatsächlich Geld kostet, unser Steuergeld. Der allergrößte Prasser ist sofort ermittelt: die Oper. Jeder ihrer samtigen Sitze ist Abend für Abend mit Summen subventioniert, die zu Neid und Missgunst reizen. Nur um den letzten Seufzer einer Schwindsüchtigen zu hören, werden Hundertschaften in Gang gesetzt – und erwarten Entlohnung. Vom wunderbaren Wahnsinn der Oper leben auch andere Künste bestens. Mit Paraphrasen auf ihre größten Schmachtfetzen touren Jazzmusiker und Tänzer von Festival zu Festival. Aktuell im Angebot: „reading tosca“, ein zeitgenössisches Tanzstück nach der Oper, choreografiert von Toula Limnaios (Premiere 5.5., Halle, 21 Uhr). Oder auch: „Die Kameliendame“ an der Volksbühne (wieder am 5./8.5., 19.30 Uhr). Ist trotz Sophie Rois nur durch Musikeinsprengsel aus „La Traviata“ erträglich. Es geht um Liebe und Verschwendung. Sollen doch endlich jene die Zeche der Oper zahlen, die sich schamlos an ihr bereichern: Clubschiffbetreiber, Seifensieder und Pizzabäcker. Addio! Ulrich Amling

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