EDITORIAL : Vom Staube befreit

Von Staub zu Staub, das hat man schon mal gehört. Glauben kann man es meistens kaum – bis es nach Jahren wieder ans Umziehen geht. Dann findet sich überall eine feine Schicht verronnener Zeit wieder. Wie ergrautes Mehl liegt sie auf allem, was man besitzt. Je mehr Dinge man gehortet hat und je weniger Aufmerksamkeit man ihnen gewidmet hat, desto hartnäckiger haftet der Staub auf ihnen. Er riecht ein bisschen nach Großeltern und scheuert, mit Schweiß vom vielen Kistenschleppen vermischt, den Hals dort wund, wo vor Jahren einmal ein Sonnenbrand gewütet hat. Man will auf einmal ganz wenig besitzen, aber viel Zeit haben, die künftig bitte nicht fürs Bücherabstauben draufgehen soll. Also sich trennen, aussortieren und das weggeben, was ohnehin eher als Selbstbewusstseinsstütze denn echter Lektürelust diente. Mit den Kisten, die so zusammenkommen, kann man sogar Gutes tun. Zum Beispiel über www.buchspende.org. Die holen die Bücher auch ab und schicken sie weiter, zu neuen Lesern. Zurück bleibt – Erleichterung.

Ulrich Amling

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben