EDITORIAL : Wann denn nun?

Alexandra Distler

Ich bin ein sehr, sehr, eigentlich schon überpünktlicher Mensch. Wenn also um 19 Uhr geladen ist, bin ich um zehn vor da, strolche noch ein wenig rum, um dann beim Glockenschlag zu läuten. Funktioniert im privaten Umfeld auch ganz gut, doch wenn’s öffentlich wird, dann hab ich verloren. Die Performance einer entfernt bekannten Künstler-Freundin war für 21 Uhr angesetzt. Um halb Ein Uhr nachts hab ich mich dann getrollt, ich wollte einfach nicht mehr warten. Beim letzten Konzert hab ich mich gezwungen, „zu spät“ zu kommen, was mir verdammt schwer fiel. Prompt hab ich die Vorband und das erste Drittel des Konzerts verpasst. Ich kapiere es nicht. Und es folgt auch keinem Prinzip. Ich bin immer zu spät oder zu früh. Entweder hocke ich allein und warte auf den Rest des Publikums oder ich komm nicht mehr rein, weil alle schon da sind. Ich denke nicht, dass es einen gangbaren Ausweg aus dieser Situation gibt. Ich will mich auch nicht beschweren. Ich vermute sogar, dass es mein Schicksal als Pünktliche ist. Aber ärgern tu ich mich trotzdem.Alexandra Distler

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